Über paradiesische Papiere und Fehler im Journalismus

Schnelllebige Zeiten in den Medien: Gestern noch „Babylon Berlin“, heute schon die „Paradise Papers“. Immer wieder wird sprichwörtlich eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Wer gestern meine Tweets gelesen hat, wird sich doch sehr gewundert haben wie kritisch ich über die Veröffentlichungen der paradiesischen Papiere geschrieben habe. Und so manche fragt sich: Was soll das?

Die Tweets sind mittlerweile gelöscht, sie waren einfach dazu da dem ganzen Medienrummel zumindest ein bisschen was dagegen zu halten. Die Meinungsfreiheit erlaubt das. Ich hab den Rundfunkbeitrag in Frage gestellt. Darf ich. War das übertrieben? Ja, denn die vollen 17,50 Euro gehen ja nicht alleine an die Investigativredaktionen. Waren die Berichte über die neue Offshore-Recherche nicht auch übertrieben? Ich finde: Ja! Diese Sache mit den Briefkastenfirmen ist nicht neu. Neu sind nur einige Namen von Leuten, die mit Briefkastenfirmen handeln. Aber: Das an sich ist oft nicht verboten! Daher finde ich es völlig falsch, die Namen derer zu nennen, die solche Geschäfte machen – es muss nichts illegales dabei sein! Klar kann man sich ärgern, wenn Menschen legale Tricks verwenden, aber dass das möglich ist, daran sind nicht diese Menschen schuld! Oder müssen wir jetzt auch namentlich die Autofahrer nennen, die einen Diesel fahren, der die Grenzwerte überschreitet?

Weitere Tweets von mir: Es gibt wichtigere Themen! Und, wie ich schrieb, auch wichtigere und sozialere Berufe als den Journalismus! Ärztinnen, Pfleger, Bauern, Maurerinnen, … Eine Zeitung kann ich nicht essen. Oder anders: Eine Zeitung zu essen ist nicht gesund! Warum das ganze? Lob gab es gestern genug über die Recherche. Ich finde: Es ist nichts besonderes mehr, wenn das ICIJ eine solche Recherche macht, nachdem sie zuvor mehrfach ähnliche Recherchen gemacht haben und gezeigt haben, dass sie das können. Wie ja schon vergangenes Jahr bei den „Panama Papers“.

Journalismus als Marke?

Ach ja: Haben Sie gewusst, dass versucht wurde „Panama Papers“ in Europa als Marke anmelden zu lassen? Der Antrag wurde jedoch abgelehnt (Quelle)! Warum müssen solche Recherchen in letzter Zeit immer einen Namen bekommen? Die „Süddeutsche“ hat sogar wieder ein Logo zur Recherche veröffentlicht! Warum hießen die Dinger früher „…leaks“, heute „… Papers“? Und was darf heutzutage bei keinem Medium fehlen? Ein Podcast! Um die Podcasts gibt’s derzeit auch einen Medienrummel. Nach und nach starten immer mehr Medienhäuser so etwas.

Bleibt noch der Tweet, laut dem ich nicht mehr Journalistin werden möchte. Tja. Zum einen motiviert es mich, die Sache mit der abgelehnten Markenanmeldung herausgefunden zu haben. Zum anderen: Es passieren im Journalismus zu viele Fehler und Ungenauigkeiten. In letzter Zeit gefühlt mehr als noch vor ein paar Monaten. Fangen wir mal ganz aktuell an: Was sind eigentlich die „Paradise Papers“? Die veröffentlichten Rechercheergebnisse oder die unveröffentlichten Originaldokumente? Je nach Bericht mal so, mal so!

Anderes Beispiel: In der Zeitung „DIE RHEINPFALZ“ hieß es letzten Monat in einem Artikel über die konstituierende Bundestagssitzung, dass zu Beginn dieser Sitzung ein AfD-Antrag abgelehnt worden sei, mit dem die AfD wieder den ältesten Abgeordneten zum Alterspräsidenten machen wollte. Das ist aber falsch! Dies nämlich fordert die AfD in ihrem Antrag in Drucksache 19/4, über den erst nach der kurzen Debatte abgestimmt wurde (Ergebnis: Überweisung an den Ältestenrat).

Ungenauigkeiten und Glaubwürdigkeit

In den ersten drei Minuten wurde hingegen über den Antrag in Drucksache 19/2 abgestimmt. In diesem Antrag fordert die AfD zunächst einen Versammlungsleiter wählen zu lassen, unter diesem dann über eine Geschäftsordnung abgestimmt wird, woraufhin danach der nach der gewählten Geschäftsordnung geltende Alterspräsident die Sitzungsleitung übernimmt.

Eine Korrektur hab ich bis heute nicht gefunden. Und der Artikel stand auf Seite drei, da suche ich die Korrektur auch nur auf den ersten drei Seiten!

Oder nehmen wir beispielsweise meinen letzten Blogbeitrag über eine Ausgabe des Medienmagazins „Zapp“ (NDR). Oder kürzlich eine in einer Sendung spiegelverkehrt gezeigte Erde. Oder einfach: Komplizierte Sprache. Wenn ich beim Radiohören erst einmal nachschauen muss was „USP“ heißt, dann frage ich mich, warum nicht gleich das deutsche Wort gesagt wurde. Für alle, die nicht selbst nachschauen möchten: „USP“ heißt „Alleinstellungsmerkmal“. Wer meine Tweets der letzten Wochen liest, wird noch mehr kleine Ungenauigkeiten finden, die mir aufgefallen sind. Und damit meine ich keine Tippfehler, sondern wirklich inhaltliche Fehler.

Recherche, Recherche, Recherche

Und apropos journalistische Sorgfaltspflicht: Schreiben jetzt manche Medien, deren Journalisten nicht im ICIJ (dem Konsortium, das die Paradiespapierrecherche macht) sind, deren Ergebnisse vielleicht ungeprüft hab? Und: Wie oft kommt die andere Seite zu Wort? Die Kanzlei „Appleby“? Die schreiben in einer Mitteilung, dass die Daten aufgrund eines Computerangriffs aus der Kanzlei herauskamen! Es wäre doch sicher interessant herauszufinden was an dieser Aussage stimmt! Liebe Medien: Recherchiert weiter! Fragt bei Appleby nach Hintergründen zum Angriff! Wenn es diesen denn wirklich gegeben haben sollte, dann wäre doch für alle interessant von wo der Angriff kam!

Der Journalismus muss besser werden, um glaubwürdiger zu werden. Ob ich noch Journalistin werden möchte? Wie gesagt: Es gibt wichtigere Berufe. Aber man kann ja auch etwas machen was mehr Spaß macht als die wichtigsten Berufe. 😉