Interview mit Crowdspondent

Heute sprach ich mit Lisa Altmeier und Steffi Fetz über ihr Projekt Crowdspondent:Crowdspondent

Update 12.09.2016 – Transkript:

LISA ALTMEIER: Hallo, wir sind Lisa Altmeier …
STEFFI FETZ: … und Steffi Fetz und wir sind zusammen Crowdspondent und sind als Eure persönlichen Reporter in der ganzen Welt unterwegs.
ROBIN DABARS: Wie seid ihr eigentlich zum Journalismus gekommen?
STEFFI FETZ: Also ich glaube sehr klassisch bei mir durch ein Praktikum bei einer Lokalzeitung mit Reportagen beim Hundesalon und bei der Feuerwehr und so und dann auch viel Studentenzeitung gemacht und dann Praktikum beim Fernsehen beim ZDF, beim BR und dann waren wir zusammen auf der Deutschen Journalistenschule hier in München.
LISA ALTMEIER: Ja, bei mir war´s so: Ich hab´ immer schon gerne, sehr sehr gerne geschrieben, schon als Kind. Und irgendwann dann in der Unizeit auch angefangen, eher journalistische Sachen zu schreiben auch für eine Lokalzeitung hab dann mal auch beim Studentenfernsehen mitgemacht und nebenher beim WDR gearbeitet als ich noch in Köln gewohnt hab, genau. Und danach hab´ ich mich dann für die Journalistenschule beworben und war natürlich super glücklich, dass es geklappt hat und das war, glaube ich, für uns beide auch ein guter Start in den Beruf hier in München auf die DJS zu gehen, weil man da auch gleich ein großes Netzwerk hat.
ROBIN DABARS: Ist die Aufnahmeprüfung da eigentlich schwer?
LISA ALTMEIER: Ja, sie´s schon schwer, bzw. ich hab´ das Gefühl sie wird immer schwieriger! Weil: Jedes Jahr, wenn ich´s mir angucke denke ich: Ohje, die armen Leute die das jetzt beantworten müssen! Ja, also es ist schon schwierig, aber es ist auch schaffbar und es gibt auch viele Leute die sich einfach mehrfach bewerben das ist auch überhaupt gar kein Problem. Also, ich würde auch jedem raten, bei dem´s bei ersten Mal nicht klappt: Einfach nochmal versuchen, ja.
ROBIN DABARS: Was bedeutet denn eigentlich das Wort Crowdspondent?
[02:00]
LISA ALTMEIER: Wir beide sind die Korrespondentinnen der Crowd, also es ist sozusagen ein selbsterfundenes Wort, das einfach besagt, dass wir nicht für irgendeine Redaktion recherchieren, sondern für unsere Crowd, also für die User, die sich unsere Sachen anschauen und durchlesen wollen.
ROBIN DABARS: Wer hatte denn eigentlich die Idee?
STEFFI FETZ: Also, die Idee hatten wir vor drei Jahren zusammen, da waren wir noch auf der Journalistenschule hier in München und haben da einfach mal zusammen ‚rumgesponnen‘, weil wir beide nochmal was ausprobieren wollten bevor es so richtig losgeht und bevor wir in irgendwelchen Redaktionen sitzen; und haben dann beschlossen, dass wir nach Brasilien gehen und da als Reporter unterwegs sein wollen und irgendwie war uns das so ein bisschen zu langweilig und wir wollten noch was dazu erfinden.
ROBIN DABARS: In Brasilien, war das dann auch schon das Projekt von vor zwei Jahren?
LISA ALTMEIER: Genau, also vor drei Jahren war das ja in Brasilien, hatten wir uns auf ein Stipendium beworben vom „Vocer innovation media lab“, die fördern journalistische Ideen. Genau, und dann haben wir gesagt: Dann denken wir uns noch was Innovatives aus dann bezahlen die uns unseren Brasilientrip und dann haben wir gesagt: Ok, wir lassen einfach unsere Leser entscheiden was wir da überhaupt recherchieren sollen und bringen selbst eigentlich keine Themen ein, sondern lassen das alles von der Crowd bestimmen. Und das fanden die gut und haben uns dann das Geld gegeben.
STEFFI FETZ: Und es kam so ein bisschen aus dem Grund, weil wir das Gefühl hatten, dass Auslandsjournalismus immer so wahnsinnig weit weg ist und dass wir gerne so einen direkteren Draht zwischen den Journalisten und den Lesern uns vorstellen könnten oder gerne hätten und dann kam die Idee zu Crowdspondent.
ROBIN DABARS: Und ihr wart ja in Brasilien ihr wart in Japan, wie gut könnt ihr denn eigentlich Portugiesisch bzw. Japanisch?
[03:55]
LISA ALTMEIER: Naja, jetzt bitte keinen Sprachtest machen, weil ich glaube, da würden wir eher durchfallen. Also Portugiesisch konnten wir glaube ich nach den drei Monaten wirklich ganz gut, weil wir beide schon vorher Spanisch und Französisch gesprochen haben, das erleichtert das Ganze. Und Portugiesisch ist ja jetzt auch nicht so schwer. Japanisch ist schon so eine Sache. Also die Sprache, die mündliche Sprache ist eigentlich auch nicht so schwierig, aber trotzdem: Schon alleine, wenn Du eigentlich kein einziges Schriftzeichen lesen kannst, hast Du eigentlich ja schon ein Problem. Also da sind wir nicht sonderlich fortgeschritten und wir konnten uns irgendwie verständigen und auch was zu essen kaufen, und so weiter aber hatten dann doch im Zweifel immer jemanden, der für uns übersetzt hat.
ROBIN DABARS: Ihr habt ja in diesem Jahr wieder ein neues Projekt, um was geht´s denn da?
STEFFI FETZ: In diesem Jahr sind wir in Deutschland unterwegs und recherchieren da. Und zwar machen wir Politikjournalismus, weil wir irgendwie so das Gefühl hatten, als wir aus Japan wieder zurückgekommen sind, dass sich die Stimmung im Land ziemlich verändert hat und haben mit ein paar Leuten auch gesprochen, die plötzlich gesagt haben, sie reden mit ihren Freunden und Bekannten gar nicht mehr über Politik, was uns beide ziemlich erschreckt hat und wo wir gesagt haben: Ok, da muss man was machen. Wir finden es nämlich wichtig, dass man über Politik redet. Vor allem, weil es jetzt auch ein Jahr vor der Bundestagswahl 2017 ist und das schwierige ist ja auch immer, dass so viele politische Themen so kurzfristig dann behandelt werden, so kurz vorher, wenn man dann so eine Wahlentscheidung treffen muss und wir haben halt gesagt: Wir wollen uns ein bisschen längerfristig damit auseinandersetzen und schon ein Jahr vorher anfangen zu recherchieren und politische Themen zusammen mit der Crowd machen.
ROBIN DABARS: Kann´s dann auch sein, dass diese aktuelle Verunsicherung, die ja auch die Politik sehr beschäftigt, durch die verschiedenen Vorfälle, die ja hier in Bayern passiert sind, dass das auch Thema sein kann?
[05:52]
LISA ALTMEIER: Also wir starten am 1. August so richtig auch mit der ganzen Themensammelei. Ich kann mir gut vorstellen es dazu auch Fragen gibt, ja, aber wir wissen´s tatsächlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz genau.
ROBIN DABARS: Nehmt ihr eigentlich jeden Themenvorschlag der dann kommt auch an zum Recherchieren?
STEFFI FETZ: Nein, nein!
LISA ALTMEIER: Also wir können ja nicht alles recherchieren, wir bekommen immer viel mehr Themen. Das heißt, wir sortieren die: Alles was uns einigermaßen verständlich erscheint landet dann auch auf unserer Seite als Vorschlag und dann können die Nutzer nochmal darüber diskutieren. Aber wenn wir jetzt merken … Also einmal hatten wir so eine Frau die irgendwie Brennnesseltee verkaufen wollte oder sowas, … sowas fliegt dann raus. Genauso wie irgendwelche PR-Vorschläge, weil wir ja keine Unternehmenskommunikation machen, sondern wirklich Journalismus.
STEFFI FETZ: Genau, also mein „Nein“ war vor allem auf das Letztere bezogen. Also alle journalistischen Themen nehmen wir uns total gerne vor. Aber alles, was irgendwie so in die Richtung „Hey, berichte über mein tolles Produkt, das ist so wahnsinnig gut!“ ist, das kicken wir sofort raus.
LISA ALTMEIER: Und klar haben wir jetzt diesmal auch als Besonderheit diese Begrenzung, dass wir wirklich sagen: Es geht um Politik. Das heißt, da müssen wir wahrscheinlich auch ein bisschen stärker aussieben als sonst.
ROBIN DABARS: Gab´s denn eigentlich auch schon Themen, die zwar dann angenommen wurden von Euch aber dann wegen irgendwas dann doch nicht recherchiert werden konnten?
LISA ALTMEIER: Wir hatten, als wir vor zwei Jahren auch mal in Deutschland unterwegs waren, ein Thema, was wir eigentlich ganz spannend fanden, da ging´s um das Sorgerecht, um Sorgerechtsprozesse. Und das war tatsächlich in der Zeit, in der wir unterwegs waren, nicht zu realisieren. Das fanden wir total spannend, haben auch mit Anwälten telefoniert, usw. Aber wir hatten nichts, wo wir wirklich hätten dabei sein können und das war so ein großes, kompliziertes Thema, dass wir gesagt haben: Ok, das schaffen wir jetzt einfach in den letzten zwei, drei Wochen nicht mehr, das gut umzusetzen. Und so haben wir das erstmal beiseitegelegt obwohl es echt ein gutes Thema war wie wir fanden.
[08:00]
ROBIN DABARS: Und bei Themen, die sich umsetzen lassen, wie werden die dann veröffentlicht?
STEFFI FETZ: Wir veröffentlichen alle Themen bei uns auf dem Blog. Das heißt jeder hat freien Zugang zu allem, was wir veröffentlichen und produzieren. Und ja, zusätzlich veröffentlichen wir teilweise auch noch bei anderen Medien, also zum Beispiel bei der „Süddeutschen“ oder hatten auch schon eine kleine Fernsehsendung auf „EinsPlus“. Also bei uns gibt´s Videos vor allem, die man auch bei uns auf dem „YouTube“-Kanal gucken kann. Und ganz viele Texte und ganz viele so kleinere Snippets und wir haben auch schon mal einen Podcast gemacht!
ROBIN DABARS: Wie waren denn eigentlich bisher die Reaktionen der Nutzer oder auch von anderen Kollegen?
LISA ALTMEIER: Am Anfang war die Reaktion eher so: Hä, was wollt ihr denn da machen, das klappt doch eh nicht, da macht sowieso keiner mit, kein Leser will Themen einreichen. Das war dann relativ schnell klar, dass es nicht stimmt, weil es hatte vorher keiner so richtig ausprobiert. Wir dann schon und ja, also ich glaube, die Reaktionen sind ganz gut. Wir sind kein Massenmedium, wir haben ein paar Tausend Nutzer die uns auch finanziell teilweise unterstützen beim Crowdfunding und die uns Themen einschicken. Ich würde sagen wir haben eine relativ stetige Leser- und Zuschauerschaft, die jetzt nicht unfassbar groß ist, aber die sehr verlässlich ist und die auch gute Ideen einbringt und die auch ziemlich positiv ist. Wenn man sich so anguckt, was sonst in diesem Internet so los ist bezüglich Journalismus und „Facebook“ und sonstigen Kommentaren sind wir da eigentlich immer auf einer sehr konstruktiven Ebene mit unseren Nutzern.
[09:55]
ROBIN DABARS: Und Stichwort Crowdfunding: Es scheint ja auch immer noch genug Leute zu geben die dann auch regelmäßig spenden. Warum gab´s denn eigentlich gerade in den letzten Tagen erst so viel, dass es gereicht hat und vorher eher weniger?
LISA ALTMEIER: Tja, die Frage müsstest Du dann an unsere Zuschauer und Leser stellen und nicht an uns! Ja, es war eigentlich immer so, dass am Schluss nochmal dann ein großer Batzen gekommen ist. Also letztes Jahr war es genauso bei Japan. Deswegen haben wir uns, glaube ich auch weniger Sorgen gemacht als unsere Freunde teilweise. Ganz genau, ich glaub viele dachten dann: Oh Gott, es könnte nicht klappen, jetzt gebe ich aber echt, lege ich echt noch was drauf und am Ende haben wir auch 1500 Euro mehr bekommen als wir eigentlich haben wollten. Das hat uns dann auch überrascht, weil wir dachten dann auch es würde doch knapp werden.
STEFFI FETZ: Also es hat man ja auch voll oft ich kenn das von mir auch, dass man irgendwie so denkt: Ich muss es unbedingt noch machen und dann verschiebt man das immer so, und dann fällt es einem wieder ein. Also ich glaube es geht total vielen so. Und, was wir dann auch irgendwie erst so richtig festgestellt haben, als wir das Crowdfunding gestartet hatten: Wir haben das halt total in die „EM“-Zeit reingelegt, wo alle auch viel mit Fußball beschäftigt waren oder mit: Hey jetzt ist doch mal schönes Wetter, lass mal rausgehen. Aber es hat ja letztendlich doch geklappt.
LISA ALTMEIER: Und das Ende lag dann auch nach dem Finale bzw. auch nach dem Halbfinale, wo Deutschland dann rausgeflogen ist …
STEFFI FETZ: Also wir hatten Spaß!
LISA ALTMEIER: … und die Leute sich dann wieder anderen Sachen widmen konnten.
ROBIN DABARS: Was finanziert ihr eigentlich alles mit dem Geld?
[11:36]
STEFFI FETZ: Also jetzt in diesem Herbst finanzieren wir damit unsere politikjournalistische Recherche in Deutschland. Und wir wollen für unsere Zuschauer, User, Leser zehn Videos produzieren zu zehn verschiedenen politischen Themen. Und genau das ist das, was wir auch auf der „startnext“-Seite bei unserem Crowdfunding gesagt haben was wir machen werden. Und dazu gibt´s natürlich ganz viele Texte von uns auf dem Blog, die die Recherche und bisschen den Hintergrund dazu begleiten werden. Und damit finanzieren wir vor allem die Recherchereisen. Wenn Du von München aus in Deutschland umherfährst, dann ist es halt immer ganz schön weit südlich, ganz schön am Arsch, und dann brauchst Du einfach immer ein bisschen lang.
LISA ALTMEIER: Und natürlich finanzieren wir auch unsere Technik darüber. Wir haben eine Kamera, erneuern da auch unser Equipment relativ regelmäßig bzw. versuchen von Jahr zu Jahr ein bisschen besser zu werden und das geht auch nur, weil die User uns Geld geben und wir das dann so finanzieren können, weil wir zum Beispiel letztes Jahr aus Japan nicht sonderlich viel verkauft haben. Das heißt, wir sind wirklich darauf angewiesen, dass die Leute uns auch beim Crowdfunding unterstützen.
ROBIN DABARS: Und wann geht die Recherche los?
LISA ALTMEIER: Übermorgen geht´s los! Wir posten dann einen Aufruf und sagen nochmal: Hey, schickt uns Eure Themen! Ein paar Sachen sind schon eingetrudelt, aber dann geht’s halt richtig los. Und dann werden wir im August erstmal die Themen sortieren und inhaltlich schon mal einstiegen und ab Herbst werden wir dann „on the road“ sein und dann auch vor Ort Sachen recherchieren.
ROBIN DABARS: Und wann werden dann die einzelnen Sachen veröffentlicht, die einzelnen Ergebnisse?
LISA ALTMEIER: Das wissen wir noch nicht so genau.
STEFFI FETZ: Kommt auch ein bisschen darauf an, was für Themen jetzt reinkommen, welche Gesprächspartner wir dann dafür finden, wo wir hinmüssen, wie viel wir dafür drehen müssen. Also das können wir jetzt ehrlich noch nicht richtig sagen. Da wollen wir uns im August die Zeit dafür nehmen, das ein bisschen zu strukturieren und zu planen. Und wir lassen es die Crowd auf jeden Fall wissen.
[13:51]
LISA ALTMEIER: Das ist ja auch ein bisschen bei uns der Vorteil. Wir haben jetzt keine Deadline in dem Sinne, dass wir sagen: Scheiße, wir müssen jetzt nächste Woche irgendwas auf der Seite haben. Sondern wir können auch sagen: Oh, wir haben hier drei super Themen, die machen wir jetzt alle direkt hintereinander. Oder: Wir warten jetzt noch zwei Wochen, weil gerade wäre das Ergebnis wahrscheinlich noch nicht optimal.
ROBIN DABARS: Kann es auch sein, dass es vielleicht wieder eine Fernsehsendung gibt oder was im Radio, oder ….
LISA ALTMEIER: Kann sein. Aber bisher wissen wir das tatsächlich noch nicht, und unsere Hauptzielgruppe ist halt schon die Crowd. Es war teilweise dann schon so, dass irgendwelche Verlage oder Sender auf uns zugekommen sind noch kurz vorher. Das weiß man halt nie so ganz genau und wir würden uns da auch nicht drauf verlassen. Wie gesagt, letztes Jahr hatten wir keine größere Kooperation oder so da haben wir alles selbst finanziert. Deswegen: mal sehen.
STEFFI FETZ: Aber klar, wenn wir irgendwo anders das noch veröffentlichen können, ist das natürlich auch super, weil mehrere Leute das dann lesen können und klar würden wir uns dann auch freuen. Das ist jetzt nicht so, dass wir das kategorisch ausschließen. Aber so im ersten Schritt ist es so, dass wir eben mit unserer Crowd zusammenarbeiten wollen und das für die auch produzieren und im zweiten Schritt, wenn´s dann irgendwo anders noch veröffentlicht wird, ist es cool.
ROBIN DABARS: Dankeschön!
STEFFI FETZ: Danke Dir!
LISA ALTMEIER: Danke!

Mondfinsternis Juni 2011

Falls es jemandem aufgefallen ist: Aufgrund eines Updatefehlers bei einem Plugin war der Blog leider eine Zeit lang down. Darf mir aber hoffentlich auch mal passieren, „Facebook“ war ja für viele am vergangenen Abend zeitweise ebenfalls nicht erreichbar. Ist ja auch nicht direkt meine Schuld wenn ein automatisches Update schief läuft, ich bin ja nicht der Hersteller der Software … 😉

Aber nun hier, als Bonus zur Live-Berichterstattung von letzter Nacht: Das Ende der Mondfinsternis vom Juni 2011 als animiertes GIF in 1000facher Geschwindigkeit:

Mondfinsternis 2011 als animiertes GIF in 1000facher Geschwindigkeit

„Armes Deutschland“?

Kaum ein anderes Thema betrifft uns in Deutschland so direkt wie die Diskussion um die Verteilung der Flüchtlinge. Sophia Muntermann mit einem aufrüttelnden Kommentar:

„Armes Deutschland“
– wenn ich den Satz nochmal irgendwo lese, werd ich verrückt!
Ihr lebt in Deutschland. Wo man eine Krankenversicherung hat, man kann zum Arzt gehen und wird behandelt.
Wo man Geld bekommt, wenn man keine Arbeit findet und nicht unter der Brücke schlafen muss.
Wo man Versicherungen hat, die eine Ersatzunterkunft bieten falls das Haus mal abbrennt.
Wo man in Frieden leben kann ohne aktiven Krieg!
Ja das ist alles verbesserungswürdig – jeder sollte von seinem Job leben können.
Ja wir zahlen steuern und ja der Staat gibt Geld aus für die Unterkunft der Flüchtlinge. Aber die kommen hier her, weil sie nicht in Ruhe leben können, weil sie Angst haben müssen in ihrem Land zu sterben.
Sollten wir nicht die Menschen, die sowieso traumatisiert sind, mit offenen Armen empfangen? Was würdet ihr machen in so einer Situation?
Wir haben so viel! Können uns nicht entscheiden was wir morgens in der Bäckerei zu essen kaufen.
Es ist an der Zeit mal ein bisschen Luxus zu teilen.
Kein Mensch ist illegal – Refugees welcome!

10.000 folgen @medienmagazin

Heute am frühen Abend war es soweit: Die Zahl der Follower des Accounts „@medienmagazin“ auf der Plattform „Twitter“ stieg auf 10.000. Das Benutzerkonto gehört zum Medienmagazin auf „radioeins“, in dem Jörg Wagner wöchentlich am Samstagabend aktuelle Medienthemen ausführlich behandelt. Anders als bei vielen anderen ARD-Landesrundfunkanstalten läuft beim „rbb“ das Medienmagazin nicht primär auf der Infowelle, sondern im Musikprogramm „radioeins“ und erst als Zusammenfassung tags darauf im „inforadio“. Oft gehörte Studiogäste sind die bekannten Medienjournalisten Vera Linß und Daniel Bouhs.

Sendehinweis: „Medienmagazin“ auf „radioeins“. Samstags, 18 Uhr.

Dabarsblog 2014 – Die Kolumne zum Jahresende

Besonders in diesem Jahr ist wieder zu beobachten, daß Jahresrückblicke im Fernsehen viel zu früh laufen. Denn die drei großen Sender in Deutschland waren schon durch mit ihren Rückblicken und es passierte noch einiges, was man auch als „großes Ereignis“ bezeichnen kann. Erstaunlicherweise sind die Jahresrückblicke von Kabarettisten meist nach den großen Rückschau-Sendungen und damit aktueller.

Und Schluß!

Was also bleibt von diesem Jahr in den Medien noch übrig? 2014 war das Jahr, in dem „Wetten dass“ eingestellt wurde, in dem die „Tagesschau“ in ein neues Studio umgezog, in dem einige Menschen das Vertrauen in die sogenannten „Leitmedien“ verloren haben, in dem „2254“ auf Deutschlandradio Kultur eingestellt wurde, in dem ich mir zwei temporäre Studios angucken durfte (eins auf der Funkausstellung in Berlin, das andere verrate ich nicht ;-)) und in dem ich eine Wochenzeitung abonniert habe. Ein bisschen darf man ja wohl den Tod der gedruckten Zeitung herauszögern – Oder ruft das Papier schon nach Sterbehilfe?

ein Stapel Printerzeugnisse von der Seite betrachtet
ein Stapel Printerzeugnisse

„Filterblase“? Ohne mich!

Warum ich Zeitung lese? Aus demselben Grund, aus dem ich auch Radio höre und Fernsehen schaue: Ich möchte nicht in einer „Filterblase“ leben. Scheint ja Leute zu geben, die nur noch das lesen, was ihnen Internetseiten oder Freunde empfehlen.

Apropos: Bei Leuten, die in sozialen Netzwerken nur noch blöde Filmchen (meist nichtmal „Catcontent“!) oder Fotos mit der Lebensabschnittsgefährtin teilen, entferne ich sofort das Häkchen bei „Abonnement“. Das hat für mich keine brauchbare Information …

Zurück aber zur sogenannten „Filterblase“: Die entsteht teilweise auch, wenn Leute eine politische Meinung haben, aber bloß nix von Leuten hören oder lesen wollen, die eine andere Meinung haben. Dabei sollte man schon alleine deswegen die Argumente Gegenseite kennen, um sie widerlegen zu können. „Ich liege mit meiner Meinung richtig.“ ist kein ein ausreichendes Argument, auch wenn das vielleicht manche glauben.

Das will ich aber nicht weiter ausbauen, sondern lieber friedlich bleiben. Es ist ja schließlich noch Weihnachten. Denn Weihnachten dauert ja – wie Reinhard Mey singt – 12 Tage. Und warum weiß ich das? Weil ich nicht in der Blase lebe, sondern meinen Horizont erweitere, wie zum Beispiel mit den Sendungen „Sonntagmorgen“ und „Feiertagsmorgen“ im Deutschlandradio Kultur. In letzterer gab’s am vergangenen Donnerstag das Lied von Reinhard Mey.

Alte Medien leben weiter

Wenn ich hingegen im ÖPNV sitze, dann könnte ich fast wetten, daß die Leute um mich herum nicht einen Radiosender mit so breiter Musikauswahl hören. Und außerdem bin ich wohl der einzige, der – wenn er denn im Zug oder im Bus überhaupt etwas elektronisches hört – Deutschlandfunk oder den Medienmagazin-Podcast von „radioeins“ hört. Trotzdem sehe ich dann genauso aus wie alle anderen mit ihren Apparaten am Ohr. Um mich von denen abzugrenzen, lasse ich gerne das Smartphone stecken und lese auch gerne mal eine gedruckte Zeitung. Welcher Mensch unter 20 liest denn noch im Zug eine gedruckte Zeitung? Und wenn man in einem Zug auffällt dann heutzutage eher, wenn man gerade kein Smartphone in der Hand hat. Ja, ich bin manchmal doch sehr altmodisch …

Trotzdem wird’s auch für mich spannend, wie das neue Jugendangebot der öffentlich-rechtlichen Sender im Netz wird. Während die digitalen Zusatzkanäle von ARD und ZDF schon gute Sendungen auch für Jugendliche bieten, ist die Qualität der Jugendwellen der ARD nicht überall gleich. Ein gutes Programm aus diesem Bereich ist zum Beispiel „Puls“ vom Bayerischen Rundfunk. Hoffen wir mal, daß die dann einiges beitragen. 😉

Werbung in ihrer nervigsten Form

Und das schönste ist ja am öffentlich-rechtlichen Internet: Es ist werbefrei. Auf immer mehr Seiten ploppt nach ein paar Sekunden Lesen ein Video auf bzw. irgendwo auf der Seite startet ein Video. Leider sogar mit Ton. Das was ich eigentlich im Hintergrund auf dem Tablet höre und auch hören will wird dann einfach abgeschaltet. Danke. Als würden diese blinkenden Grafiken nicht reichen.

Mehr Abwechslung!

Und gerne nochmal: Ich bin für mein Alter doch eher altmodisch und beim Medienkonsum auch nicht der Durchschnitt. Ich gucke sonntags keinen Krimi und schalte beim Fußball lieber die Radioreporter ein. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn alle die gleichen Interessen hätten, oder? 😉

Mehr als ich wissen wollte …

Seit gestern Abend wissen wir nun also auch, wann unsere Kontakte eine Nachricht beim Messenger „Whatsapp“ gelesen haben. Aber wissen wir auch was sie tun, wenn sie uns nicht schreiben? Bei manchen Hobbys will man es nicht wissen. Aber wenn doch, dann müssen wir nicht darauf warten, bis irgendwo ein Foto erscheint, auf dem sie bei der Tätigkeit zu sehen sind. Denn dank der „Geschlossenen Gruppen“ beim sozialen Netzwerk „Facebook“ wissen wir mehr als unsere Freunde uns vielleicht erzählen wollen. Ja, richtig gelesen, bei „geschlossenen“.

Viele haben sicher schon Empfehlungen für Gruppen bekommen, in denen sie gar nichts zu suchen haben. Nur, weil Freunde drin sind, heißt das nämlich noch lange nicht, daß diese Gruppen für einen selbst interessant sind! Logisch, denn wer will denn unbedingt bei der freiwilligen Feuerwehr des Freundes mitmachen, der 100 km weiter weg wohnt? Extra umziehen, um Gutes zu tun? Oder wie soll man zu einer Abschlussklasse 2009 in Köln gehören, wenn man z. B. selbst doch erst 2010 einen Abschluss gemacht hat – und den in Hamburg? Zeit zurückdrehen und dann dort hingehen geht wohl schlecht. Aber bei manchen Gruppen sagt der Name nicht unbedingt viel aus und bei anderen frage ich mich, warum man diese nicht als „geheim“ definiert, denn dann darf ich die nämlich gar nicht sehen. Aber wenn die nicht „geheim“ sind, dann sehe ich die logischerweise – und zwar alle. Und das in einer zusätzlichen Übersicht, in der die Gruppen der Freunde aufgelistet sind! In der aktuellen Version der App zu finden unter dem Menüpunkt „neue Gruppen finden“. Und so weiß ich, in welchem Sportverein der eine ist und welches Hobby die andere. Dasselbe gilt für politische Einstellungen.

schwarze Tastatur mit weißen Buchstaben

Hier mal eine kommentierte Liste einiger Beispiele – (und extra mit Punkten anstatt mit Zahlen, soll ja schließlich keine Rankingshow werden):

HINWEIS: Bei sämtlichen Beispielen sind nicht die originalen Gruppennamen verwendet worden sondern ähnliche. Falls diese geänderten Namen dennoch Namen einiger echter Gruppen sind (was bei einigen Namen gut sein kann …), dann ist das rein zufällig und keine Absicht.

  • „Wenn wir 10.000 sind, dann bewirbt sich Nina bei [TV-Show]“ – eine Petition als Gruppe?
  • „Fotos“ – Ahja …
  • „Gründonnerstag“ – Was sagt uns das?
  • „Häkeln wie in der Wüste“ – geht Häkeln in der Wüste anders als im Gebirge oder auf einem Schiff?
  • „Thommy geht in die Mongolei“ – Gute Reise! Und dafür eine für jeden sichtbare Gruppe?
  • „Saschas Bachelorarbeit“ – Kriegt der da Hilfestellungen?
  • „Diplomingeneur“ – Eine Gruppe, benannt nach einem Abschluss …
  • „Weihnachtsgeschenk für Natascha“ – Sehr toll sowas nicht geheim zu machen. Wenn Natascha mitbekommt, dass ihre Freunde zusammen ein Geschenk für sie planen … dann ist die Überrschung weg. Und eine Empfehlung für die Gruppe bekommt sie am PC vielleicht auch …
  • „Grundschul-Abschlußklasse 1993 Berlin“ – für alle irrelevant, die es nicht betrifft – also 99,99 % aller User.
  • „Tenniskurs von Markus“ – gibt’s wahrscheinlich einige
  • „So ein Blödsinn!“ – denke ich auch bei so manchen Gruppennamen …
  • „Musik der 68er“ – Ja, was ist damit?
  • „[Automarke]-Fans NRW!“ – Machen die ein Fantreffen vor dem Werkstor?
  • „komm zurück!“ – liest derjenige bzw. diejenige das?

Aber wozu diese Empfehlungen? Ich denke mal, in die wichtigsten Gruppen laden einen die Freunde doch gerne ein. Aber die Gruppen der Vereine aus den ganzen Nachbarsorten? Nein, danke. So viel Geld für Mitgliedsbeiträge habe ich gar nicht um denen alle beizutreten. 😉