Traumhafte Filme

In der zweiten Folge der neuen Serie blicken wir erneut auf ein Medium, das wohl alle kennen.

Ein dunkler Gang mit hellgrauen Wänden im Keller einer Uni. Doch was ist das am Ende des Weges? Ein Saal, verziert und geschmückt wie in einem Schloss! Reich bestuhlt wie ein Hörsaal, aber ist es einer? Ich nehme mit anderen zusammen Platz. Ich glaube, neben mir in der Reihe einen früheren Mitschüler zu erkennen. Der Mensch vorne erinnert mich auch eher an einen meiner Lehrer aus der Schule. Was macht der an der Uni?

Fast jeder kennt das: Wir befinden uns in ungewöhnlichen Situationen. Mal durch Zufall, mal gewollt, mal sind es Leute vom Fernsehen, die uns reinlegen wollen und mal spielt uns jemand anderes einen Streich: unser Gehirn. Der Lehrer aus der Schule, den wir noch nie an der Uni getroffen haben, steht vor uns in einem Saal der Uni. In dem wir wiederum selbst bisher nie waren. Geschweige denn davon wussten, dass es diesen besonderen Raum überhaupt gibt. Ehrlich gesagt, wer kennt an einer großen Uni schon jeden einzelnen Saal? Aber dann ist da ein solch prunkvoller, versteckt im Keller?

Der Lehrer fängt an zu uns zu sprechen. Er meinte, es sei auch mir zu verdanken, dass wir in diesem Saal seien. Hmm ja, das kann gut sein, hab ihn wohl überredet in einen besseren Saal zu gehen als er ursprünglich vorgesehen hatte. Naja, in so einem Saal lässt sich eben auch besser … was eigentlich? Wollten wir hier nicht etwas essen, vielleicht übernachten? Es wird hell. Oh, wo ist der Lehrer hin? Wo der Saal?

Naja, so in der Form hat der Raum wohl nur bei mir existiert: Im Traum. Schade aber: Wirklich viel mehr als das hier beschriebe weiß ich nicht mehr. Nur, welchen früheren Mitschüler und welchen Lehrer ich im Verdacht habe getroffen zu haben und außerdem, dass der Gang stockduster war, bis jemand das Licht einschaltete. Und die Uni, naja, das kann eigentlich nur die sein, die ich selbst seit Jahren besuche. Denn auch die hat Kellerräume, in die man nur durch dunkle Gänge kommt (bei denen aber es elektrisches Licht gibt). Aber der königliche Speisesaal? Den hab ich im Original noch nicht gesehen. Aber wie genau sah der Saal aus? Recht schön, aber die meisten Details gingen leider verloren. Kann man sie irgendwie zurückholen? Oder nächstes mal besser „speichern“? Vielleicht mit Foto?

Bisher muss man Träume, will man sie so genau wie möglich behalten, schnell aufzeichnen. Am besten sofort aufschreiben. So ist es dann sogar möglich, sich genaue Zitate zu merken. Wie vor einigen Monaten, als mir im Traum eine Journalistin begegnete und diese mir helfen wollte, für eine Nachrichtenmeldung einen passenden ersten Satz zu finden. Ich fand keinen, sie daher daraufhin: „Dann schreib‘ ich Dir einen!“ Nett von ihr, oder? Wobei ich doch bisher dachte, dass sie mich nicht mag. Aber ich wusste im Traum weder so genau, ob sie es wirklich ist, noch, ob sie mich überhaupt noch kennt. Naja, ihr Zitat hab ich schriftlich. Aber wie wäre es, das Zitat als Ton zu haben? Oder zumindest die Journalistin sichtbar im Bild zu sehen? Unmöglich? Zumindest an letzterem wird schon geforscht!

Was würde es bedeuten, Träume aufzuzeichnen wie mit einer Kamera? Es würde eine Richtung umgekehrt: Traumgeschehen könnte nach außen, anstatt dass nur die Außenwelt Einfluss auf den Traum hat. Denn nicht nur Erlebnisse können einen Einfluss auf Träume haben. Ein eingeschaltetes Radio reicht.
So erinnere ich mich, vor Jahren im Traum auf dem Schulhof gestanden zu haben und währenddessen aufmerksam eine Comedy auf SWR3 gehört zu haben. Die „SWR3-Hitküche“, bei denen die Stimmen von Johann Lafer und Dieter Bohlen imitiert wurden. Oder vor ein paar Jahren erst, als ich einen DLF-Kultur-Moderator in einem Café traf und mich wunderte, warum er zwar redete, aber mir nicht auf meine Frage antwortete. Ganz einfach: Ich hab ihn im Schlaf im Radio gehört. Mit ihm aus dem Traum heraus kommunizieren war nicht möglich. Aber vielleicht bald doch?

Aber erstmal: Warum sollte man Träume aufnehmen? Naja, man könnte sich am Tag über den Alptraum der Nacht lustig machen. Ach, wie doof für das Dreimetervieh, hat mir nicht den Kopf gefressen! Oder eben, um sich an schöne Träume erinnern zu können. Und ich könnte meine Träume quasi live moderieren, anstatt sie hier nachzuerzählen!

Naja, das aber setzt voraus, dass ich „klar“ träume. Heißt: Ich weiß während des Traumes, dass ich träume. Sonst müsste ich ja auch im Wachzustand mein ganzes Leben moderieren, nur damit ich im Traum auch weiß, dass es Zeit zum Moderieren ist. Vorteil auch beim Klartraum: Er lässt sich oft steuern. Fast jeder kennt das: Hofft man im Traum, dass nicht von rechts ein Kampfhund angerannt kommt – er kommt. Ich könnte also im Klartraum moderierend sagen: Hier neben mir steht der amerikanische Präsident zum Interview – und er steht auch da (wenn ich nur daran glaube!). Die Antworten sind zumindest für mich auch erwartbar. Ich könnte also echte Fakenews produzieren. Oder Comedyshows. Kurzfilme. Nachrichten. Einfach alles, was ich im Kopf hab, ohne Kosten für Kulisse und Schauspieler! Einfach ein Film aus Gedanken! Aber ist das heute schon möglich?

Apropos Fakenews: Nachdem ich die erste Fassung dieses Textes fertig hatte, träumte ich von irgendeiner Feier mit vielen Politikern. Muss in der Vergangenheit gespielt haben, denn manche hatte ich im Traum ganz anderen Ämtern zugeordnet. Naja, ich saß jedenfalls neben so einem Politiker (will mal nicht sagen wer), der drückte meine Schulter mit seinem Arm ein Stück herunter. Wenn ich ein Stück versuchte von ihm wegzurutschen auf der Sitzbank, kam er dennoch näher und drückte weiter. Und gab mir die Schuld und behauptete, ich würde mich doch zu sehr an ihn herandrücken! Naja, die Rückenschmerzen aufgrund der erzwungenen Fehlhaltung hielten bis nach dem Traum an. Na vielen Dank. Metoo, Metoo! Hätte ich einen Film davon, hätte ich eine echte Falschnachricht! Also für die Realität falsch, im Traum wurde ich ja Opfer des Politikers. Mit echten Rückenschmerzen nach dem Aufwachen! Aber wird man bald Träume filmen können?

In Japan wurde schon daran geforscht, Gedanken und damit auch Träume auslesen zu können! Zumindest teilweise ist das auch schon möglich, so der Forscher Yukiyasu Kamitani im Interview mit der österreichischen Seite „futurezone.at“.

Ob da auch bald eine Tonaufzeichnung möglich sein wird? Ohne, dass man im Schlaf reden muss? Ich jedenfalls hätte kein Problem, viele meiner Träume in Bild und Ton zu veröffentlichen. Ich hätte sogar eine Idee für den Fall, dass man Träume bald live im Fernsehen übertragen könnte: Eine interaktive Traumshow: Während ich träume werden mir Wünsche vorgelesen und ich versuche sie im Traum zu erfüllen. Blödsinn? Man wird ja wohl noch träumen dürfen.