Medienmagazin mit Ungenauigkeiten

Als Medienmagazin macht man in der Regel kritischen Journalismus. Gehört dazu nicht auch Genauigkeit?

Zu Beginn des NDR-Medienmagazins „ZAPP“ vom vergangenen Mittwoch (18.10.) zeigt der Moderator Constantin Schreiber auf ein Foto von Sachsen-Anhalts Medienminister Rainer Robra, nennt sein Amt und dass er Mitglied im Fernsehrat des ZDFs ist. So weit, so richtig. Dann jedoch gibt Schreiber eine Interview-Aussage von Robra verkürzt wieder. Schreiber sagt nämlich über den Minister:

„[…] er findet die ARD-‚tagesschau‘ überflüssig“

(Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Das-Medienmagazin,sendung692134.html ca. ab Minute 0:42)

Nun ist dies aber nur ein Teil einer Aussage eines Interviews in der „Mitteldeutschen Zeitung“. Darin stellt Robra seine Idee vor, dass sich das ZDF um das nationale Programm kümmern sollte und die ARD um Regionales. Auf die Frage, was mit der „tagesschau“ passieren sollte, antwortet er aber nicht, dass er sie allgemein unnötig hält. Robra grenzt ein und sagt:

„Die wäre dann in dieser Form überflüssig“

(Quelle: http://www.mz-web.de/sachsen-anhalt/landespolitik/-massive-fehlentwicklung–medienminister-robra-ruegt-oeffentlich-rechtliche-als-zu-teuer-28602194)

Verstehe ich so, dass er die Sendung nur dann „überflüssig“ findet, wenn seine Pläne umgesetzt werden. Und dann wäre sie eben in der jetzigen Form „überflüssig“. Zwei – wie ich finde – wichtige Eingrenzungen, die in der „ZAPP“-Moderation fehlen.

Später in der Sendung: ein kurzer Beitrag über die Kritik einiger Zeitungen und des „SPIEGEL“ an der ARD. Eingeleitet mit einem Titel, in dem das Wort „Kampagne“ vorkommt (http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Das-Medienmagazin,sendung692134.html ca. ab Minute 13:54). Ein Wort, mit dem in den letzten Wochen mehrfach Journalisten versuchen die kritischen Artikel zu erklären. Ich finde: Mehrere kritische Artikel hintereinander (auch, wenn sie teilweise nicht gut recherchiert sind) beweisen noch keine Kampagne. Sonst gäbe es seit über einem Jahr in fast allen Medien eine Kampagne gegen Trump.

Im nächsten längeren Beitrag noch eine kleinere Ungenauigkeit. Eine Weltkarte wird gezeigt und einige Orte werden eingezeichnet (http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Das-Medienmagazin,sendung692134.html ca. ab Minute 21:35). Dass der Südsudan seit Jahren unabhängig ist – auf der Karte nicht erkennbar. Kosovo? Laut Karte ein Teil Serbiens. Gut, es geht nicht um Orte dieser beiden Länder, aber gerade von einem medienkritischen Magazin erwarte ich, dass auch korrekte Karten verwendet werden!