Interviewreihe

Interviewserie – Teil 1: Andreas Fauth

Rückdatiert auf Aufnahmetag zur besseren Übersichtlichkeit im Blog

Im ersten Teil der Interviewreihe sprach ich mit Andreas Fauth, Chefredakteur für Multimedia im evangelischen Medienhaus in Frankfurt.

 

Hier nun das Interview auch als Textfassung:
Robin Dabars: Interviewreihe, erster Teil. Heute sind wir zu Gast bei Andreas Fauth, der sich am Besten selbst vorstellt.
Andreas Fauth: Herzlich willkommen in der Hörfunkschule Frankfurt. Wer uns besucht, wird schnell sehen: Die Hörfunkschule ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit. In erster Linie sind wir eine Multimediaredaktion: Wir produzieren Beiträge für Radio, Fernsehen, Internet für private Sender in Hessen und Rheinland-Pfalz. Ich bin Chefredakteur der Multimediaredaktion und leite zugleich die Hörfunkschule.
Dabars: Was fasziniert Dich am Radio?
Fauth: Dass es so schnell und so spontan ist. Es heißt immer: „Online first“ und das Internet liefere schnelle Informationen und man könne heutzutage über ‚Facebook‘ und ‚Twitter‘ sofort sehen, was passiert ist. Nein, ich glaube, das stimmt so nicht immer. Denn in dem Moment, wenn jemand bei einer Livesendung ins Mikrofon spricht, dann bekommen die Hörer die absolut schnellste und authentischste Information. Da ist kein anderes Medium schneller. Und das ist am Radio so faszinierend.
Dabars: Wie einfach oder wie schwer ist denn der Einstieg in den Journalismus?
Fauth: (lacht) Das ist eine gute Frage! Ich glaube, dass das sehr unterschiedlich ist. Die Frage sollte eher lauten: Wie kann der Einstieg in den Journalismus gelingen? Und wenn, dann kann er auch relativ schnell gehen, denn zunächst einmal gilt: Jeder kann Journalist sein. Du bist in dem Moment Journalist, wenn Du Deinen Blog aufmachst oder an der Schule oder an der Uni eine Zeitung veröffentlichst. Damit ist der Einstieg in den Journalismus geglückt. Die Frage ist nur: Wie kann man damit auch Geld verdienen? Dafür braucht man natürlich eine gute Ausbildung auf dem Weg zum Volontariat und später im Volontariat selbst. Ich bringe es immer auf die Formel: Wer wirklich Bock hat und für den Journalismus brennt; wer also nicht sagt: „Hey, um 17 Uhr ist Feierabend“, sondern wer wirklich Lust auf Journalismus hat, wird einen Einstieg relativ schnell und gut schaffen. Ich glaube, dass es eine Mär ist, dass man im Journalismus keinen Job findet. Oftmals ist es eher eine Frage, ob man sich genug engagiert hat.
Dabars: Und um die Leute dann auch in den Journalismus zu bringen, dafür gibt´s das Ausbildungsradio. Seit wann gibt´s das Ausbildungsradio und wer hatte die Idee dazu?
Fauth: Die Idee kommt von uns hier aus dem Haus. Das „Ausbildungsradio“ in dieser Form und unter diesem Namen gibt´s jetzt fast zehn Jahren, Vorläufer davon schon etwas länger. Wer sich schon einmal um ein Praktikum beworben hat, wird die Frage kennen: „Was haben Sie denn schon gemacht? Welche Erfahrungen bringen Sie mit?“ Und einige können dann antworten, dass sie schon mal bei der Schülerzeitung waren oder einen eigenen Blog betreiben. Das Ausbildungsradio jedoch ist eine Möglichkeit, erste Erfahrungen unter realistischen Bedingungen zu sammeln: Menschen zu interviewen, vielleicht zu moderieren, Nachrichten zu präsentieren, Beiträge und Reportagen zu produzieren. Und dann kann man sagen: Ich hab´ schon was gemacht! Und so kann man sich dann viel besser bewerben.
Dabars: Wie viel Planung war für das diesjährige Ausbildungsradio nötig und wann ging´s eigentlich los?
Fauth: Gestartet sind wir vor heute genau zwei Wochen, am 17. Juli. Und vorher gab´s zwei Tage Testbetrieb im Internet. Die Vorbereitungen für so ein Ausbildungsradio fangen immer ungefähr ein Jahr vorher an. Wir werden bereits am 18. September mit den Vorbereitungen für 2016 beginnen. In diesem Jahr war es für uns ein bisschen aufwendiger als sonst, weil wir unter einem neuen Namen funken: Früher hieß unser Sender „rockfun24“, ab diesem Jahr heißt er „LUX“. Wir mussten daher ein neues Logo entwerfen, eine neue Website gestalten. Für unser Programm brauchten wir eine neue „Verpackung“, also Jingles und Musikbetten. Da hat sich einiges geändert. Und deswegen hat es ein bisschen mehr Arbeit gemacht als sonst.
Dabars: Warum eigentlich der Name „LUX“? Es hat ja, denke ich, nicht mit Luxemburg zu tun?!
Fauth: (lacht) Nein, wirklich überhaupt nicht. Aber „LUX“ leuchtet ja ein. „LUX“ kommt vom lateinischen Wort „Licht“ und soll die Hörer ein wenig erleuchten. Damit wollen wir uns unterscheiden vom Mainstreamradio. Ich will jetzt keine privaten oder öffentlich-rechtlichen Sender bashen, aber: Die haben meist ein anderes Zielpublikum. Wir wollen uns an Hörer richten, die ein bisschen dazulernen möchten, sich ein bisschen aufschlauen wollen, trotzdem aber gut unterhalten sein wollen. „Unterhalten“ auf einem Niveau, bei dem die Hörer Lust haben, einen höheren Wortanteil zu ertragen – und über den Tellerrand schauen wollen: sich für Kultur interessieren und nicht nur für den Mainstream. Deswegen „LUX“.
Dabars: Wie viele Leute arbeiten eigentlich dieses Jahr mit? Wie viele lernen jetzt Journalismus?
Fauth: Wir sind in diesem Jahr knapp 50 Leute, die in verschiedenen Redaktionen arbeiten: von der Morningshow- bis zur Kulturredaktion oder der aktuellen Redaktion, aber auch unsere „LUX-TV“-Redaktion ist am Start. Die TV-Redaktion ist übrigens die größte. Dort entstehen viele Filme.
Dabars: Was sind eigentlich die Themen und Ziele der Ausbildung? Wohin sollen die Absolventen am Schluss kommen?
Fauth: Das muss jeder sich selbst überlegen! Wir versuchen daher, das Ausbildungsradio möglichst individuell zu gestalten. Die Leute kommen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen zu uns. Manche haben vielleicht noch nie Radio oder irgendwas mit Medien gemacht. Andere sind schon seit vier, fünf Jahren bei einem Sender als freie Mitarbeiter unterwegs. Jeder hat unterschiedliche Voraussetzungen, die er mitbringt und damit natürlich auch unterschiedliche Ziele, die er mit dem Ausbildungsradio erreichen will. Es kann sein, dass jemandem wichtig ist, möglichst schnell bei einem großen Sender auf die Antenne zu kommen. Von ihm sollen die Kollegen in den Funkhäusern sagen: Der spricht so gut, den können wir „on air“ nehmen. So jemand möchte möglichst viel Sprechroutine sammeln. Ein anderer möchte sich unbedingt im Bereich Nachrichten vertiefen, weil er das in einem Praktikum nicht ausprobieren kann. Du siehst, das ist sehr unterschiedlich und deswegen gucken wir mit jedem, wo er hin möchte und was für ihn jetzt dran ist. Wir versuchen dann diese zwei Wochen und auch die Vorbereitung davor so zu gestalten, dass das möglichst optimal klappt.
Dabars: Wie erfolgreich sind eigentlich die bisherigen Absolventen des Ausbildungsradios?
Fauth: Ja, man kann es nicht immer nur an diesem einen Projekt festmachen, weil wir natürlich verschiedene Ausbildungsprojekte haben, die ineinandergreifen: „Ausbildungsradio“, „Medienstarter“, „Radiostarter“. Wer ein solches Projekt bei uns gemacht hat, landet in sehr vielen Fällen bei privaten oder öffentlich-rechtlichen Sendern. Hier in Hessen sind sehr viele unserer Teilnehmer aus den vergangenen zehn Jahren bei großen Sendern untergekommen. Wir werden auch immer nachgefragt, ob´s wieder den einen oder anderen Tipp gibt, welchen jungen Kollegen eine Redaktion testen könnte, ob er sich für ihr Programm eignet. Unsere ehemaligen Teilnehmer sind aber zwischenzeitlich weit über Hessen hinaus verstreut. Wir haben Kollegen in Berlin, in Rheinland-Pfalz beim SWR, aber auch beim NDR oder WDR. Das geht quer durch Deutschland.
Dabars: Du hattest vorhin ja schon erwähnt, dass ja das Programm eher nicht den Mainstream bedient. Was konkret sind die Themen im Programm?
Fauth: Wir versuchen zu informieren, zu unterhalten, zu bilden und auch Service zu liefern. So vielfältig ist das, was wir im Programm machen. Wir berichten anlässlich einer Veranstaltung hier in Frankfurt, das ist in diesem Jahr zweiwöchige „Sommerwerft“; ein Theater-, Kultur- und Musikfestival. Das ist unser wichtigstes Thema. Aber wir schauen trotzdem auf das, was in der Welt passiert, was in Deutschland passiert. So haben sich die jungen Kollegen sehr viel mit „Griechenland“ und der „Hilfe für Flüchtlinge“ beschäftigt. Dazu hatten wir zum Beispiel Wolfgang Bosbach oder Thorsten Schäfer-Gümbel im Interview.
Dabars: Es kommt ja eigentlich auch vergleichsweise viel Musik, „LUX“ ist kein reines Wortprogramm. Wie ist eigentlich die Musikauswahl?
Fauth: Die Musikauswahl ist so, dass wir beinahe sagen: Wir spielen alles, was andere Sender nicht spielen. Das ist eine ganz wesentliche Faustregel. Sobald ein Song beim großen Radio kommt, dann spielen wir den nicht mehr, bei unseren Hörern ist der Song zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon totgehört. So kann es sein, dass wir trotzdem die „Ärzte“ spielen, aber mit Songs, die weniger bekannt sind. Wir gucken, dass wir eine Mischung haben aus Rock und Rap, den beiden großen R‘s im Programm. Da kann dann auch „KIZ“ mit dem neuen Album vorkommen.
Dabars: Kurz vorm Interview lief „Killer Queen“ von „Queen“ – das hätte man dann eigentlich auch rausschmeißen müssen!
Fauth: Unser Claim ist „Unsere Musik ist Luxus“. Das heißt: Wir wollen nur gute Musik spielen und „Killer Queen“ ist einer von den Songs, die wir dann im Programm haben, bei denen wir sagen: Der hat so eine gute musikalische Qualität und läuft im Radio eigentlich viel zu selten, den nehmen wir mit.
Dabars: Wie groß ist eigentlich die Musikdatenbank?
Fauth: Wir haben ungefähr 1000 Songs.
Dabars: Wie multimedial ist „LUX“?
Fauth: „LUX“ ist kein reines Radioprojekt, auch wenn der Name „Ausbildungsradio“ das vielleicht suggerieren mag, weil er schon etwas älter ist. Wenn wir morgens in der Redaktionskonferenz sitzen und uns überlegen, welche Themen wir machen, dann entscheiden wir: Ist das ein Thema fürs Radio oder für „LUX-TV“? Deswegen sind auf unserer Website nicht nur das Radioprogramm, sondern „LUX-Radio“, „LUX-TV“, „LUX-Web“ sowie verschiedene Social-Media-Kanäle zu finden. Insofern sind wir sehr multimedial. Und es gibt einen regen Austausch unter den Redaktionen: Wenn die Kollegen von „LUX-TV“ einen Film gemacht und Menschen interviewt haben, dann kommen die danach ins Studio und berichten, was sie vor Ort erlebt haben, zum Beispiel in Form eines Talks. Es kann aber auch genauso gut sein, dass die Kollegen vom Radio mal bei „LUX-TV“ mitlaufen und den Reporter im Bild machen. Das ist alles möglich.
Dabars: Wie lange ist „LUX“ dieses Jahr noch zu hören und wann geht´s nächstes Jahr weiter? Wird dann auch der Name „LUX“ weiterhin bestehen?
Fauth: Wir senden noch bis Sonntag, dann ist die „Sommerwerft“ zu Ende, damit auch das Ausbildungsradio und unser Programm. Im nächsten Jahr planen wir wieder ein Ausbildungsradio im Sommer. Wir müssen aber erst einmal schauen, wann genau und zu welcher Veranstaltung wir auf die Antenne gehen. Idealerweise machen wir das immer in den Sommerferien bzw. Sommersemesterferien. Das ist wichtig für die vielen Studierenden, die teilnehmen. Und ja, der Name „LUX“ wird bestehen bleiben.
Dabars: Wir zeichnen das Interview am Freitag, den 31. Juli, auf. Wenn am Sonntag, also in zwei Tagen, Schluss sein wird, dann wird es vielleicht jetzt schon mal Zeit für ein kleines Fazit. Gab es Schwierigkeiten?
Fauth: Nein, gar nicht. Wir sind sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Ich finde, dass wir vom Höreindruck ein gutes Programm gemacht haben. Auf unserer Website stehen einige sehr schöne, lustige und auch unterhaltsame Filme. Wir haben ein gutes Team gehabt. Die Leute, die mitgemacht haben, waren sehr engagiert dabei. Die haben nicht unbedingt auf die Uhr geguckt, sondern haben sich um die Themen und die Inhalte gekümmert und auch lieber mal eine Stunde länger gemacht. Deswegen ein großes Lob an alle, die sich beim Ausbildungsradio eingebracht haben! Wir sind sehr zufrieden.
Dabars: Vieles lässt sich also im Internet noch mal nachschauen. Wie ist die Adresse?
Fauth: Main-lux.de. Weil wir in Frankfurt sind, schreiben wir „Main“ mit „ai“. Aber für den, der das nicht richtig raushört im Radio, der kann´s auch mit „ei“ eingeben.
Dabars: Dankeschön für´s Gespräch!
Fauth: Gerne!

„Armes Deutschland“?

Kaum ein anderes Thema betrifft uns in Deutschland so direkt wie die Diskussion um die Verteilung der Flüchtlinge. Sophia Muntermann mit einem aufrüttelnden Kommentar:

„Armes Deutschland“
– wenn ich den Satz nochmal irgendwo lese, werd ich verrückt!
Ihr lebt in Deutschland. Wo man eine Krankenversicherung hat, man kann zum Arzt gehen und wird behandelt.
Wo man Geld bekommt, wenn man keine Arbeit findet und nicht unter der Brücke schlafen muss.
Wo man Versicherungen hat, die eine Ersatzunterkunft bieten falls das Haus mal abbrennt.
Wo man in Frieden leben kann ohne aktiven Krieg!
Ja das ist alles verbesserungswürdig – jeder sollte von seinem Job leben können.
Ja wir zahlen steuern und ja der Staat gibt Geld aus für die Unterkunft der Flüchtlinge. Aber die kommen hier her, weil sie nicht in Ruhe leben können, weil sie Angst haben müssen in ihrem Land zu sterben.
Sollten wir nicht die Menschen, die sowieso traumatisiert sind, mit offenen Armen empfangen? Was würdet ihr machen in so einer Situation?
Wir haben so viel! Können uns nicht entscheiden was wir morgens in der Bäckerei zu essen kaufen.
Es ist an der Zeit mal ein bisschen Luxus zu teilen.
Kein Mensch ist illegal – Refugees welcome!

10.000 folgen @medienmagazin

Heute am frühen Abend war es soweit: Die Zahl der Follower des Accounts „@medienmagazin“ auf der Plattform „Twitter“ stieg auf 10.000. Das Benutzerkonto gehört zum Medienmagazin auf „radioeins“, in dem Jörg Wagner wöchentlich am Samstagabend aktuelle Medienthemen ausführlich behandelt. Anders als bei vielen anderen ARD-Landesrundfunkanstalten läuft beim „rbb“ das Medienmagazin nicht primär auf der Infowelle, sondern im Musikprogramm „radioeins“ und erst als Zusammenfassung tags darauf im „inforadio“. Oft gehörte Studiogäste sind die bekannten Medienjournalisten Vera Linß und Daniel Bouhs.

Sendehinweis: „Medienmagazin“ auf „radioeins“. Samstags, 18 Uhr.

Dabarsblog 2014 – Die Kolumne zum Jahresende

Besonders in diesem Jahr ist wieder zu beobachten, daß Jahresrückblicke im Fernsehen viel zu früh laufen. Denn die drei großen Sender in Deutschland waren schon durch mit ihren Rückblicken und es passierte noch einiges, was man auch als „großes Ereignis“ bezeichnen kann. Erstaunlicherweise sind die Jahresrückblicke von Kabarettisten meist nach den großen Rückschau-Sendungen und damit aktueller.

Und Schluß!

Was also bleibt von diesem Jahr in den Medien noch übrig? 2014 war das Jahr, in dem „Wetten dass“ eingestellt wurde, in dem die „Tagesschau“ in ein neues Studio umgezog, in dem einige Menschen das Vertrauen in die sogenannten „Leitmedien“ verloren haben, in dem „2254“ auf Deutschlandradio Kultur eingestellt wurde, in dem ich mir zwei temporäre Studios angucken durfte (eins auf der Funkausstellung in Berlin, das andere verrate ich nicht ;-)) und in dem ich eine Wochenzeitung abonniert habe. Ein bisschen darf man ja wohl den Tod der gedruckten Zeitung herauszögern – Oder ruft das Papier schon nach Sterbehilfe?

ein Stapel Printerzeugnisse von der Seite betrachtet
ein Stapel Printerzeugnisse

„Filterblase“? Ohne mich!

Warum ich Zeitung lese? Aus demselben Grund, aus dem ich auch Radio höre und Fernsehen schaue: Ich möchte nicht in einer „Filterblase“ leben. Scheint ja Leute zu geben, die nur noch das lesen, was ihnen Internetseiten oder Freunde empfehlen.

Apropos: Bei Leuten, die in sozialen Netzwerken nur noch blöde Filmchen (meist nichtmal „Catcontent“!) oder Fotos mit der Lebensabschnittsgefährtin teilen, entferne ich sofort das Häkchen bei „Abonnement“. Das hat für mich keine brauchbare Information …

Zurück aber zur sogenannten „Filterblase“: Die entsteht teilweise auch, wenn Leute eine politische Meinung haben, aber bloß nix von Leuten hören oder lesen wollen, die eine andere Meinung haben. Dabei sollte man schon alleine deswegen die Argumente Gegenseite kennen, um sie widerlegen zu können. „Ich liege mit meiner Meinung richtig.“ ist kein ein ausreichendes Argument, auch wenn das vielleicht manche glauben.

Das will ich aber nicht weiter ausbauen, sondern lieber friedlich bleiben. Es ist ja schließlich noch Weihnachten. Denn Weihnachten dauert ja – wie Reinhard Mey singt – 12 Tage. Und warum weiß ich das? Weil ich nicht in der Blase lebe, sondern meinen Horizont erweitere, wie zum Beispiel mit den Sendungen „Sonntagmorgen“ und „Feiertagsmorgen“ im Deutschlandradio Kultur. In letzterer gab’s am vergangenen Donnerstag das Lied von Reinhard Mey.

Alte Medien leben weiter

Wenn ich hingegen im ÖPNV sitze, dann könnte ich fast wetten, daß die Leute um mich herum nicht einen Radiosender mit so breiter Musikauswahl hören. Und außerdem bin ich wohl der einzige, der – wenn er denn im Zug oder im Bus überhaupt etwas elektronisches hört – Deutschlandfunk oder den Medienmagazin-Podcast von „radioeins“ hört. Trotzdem sehe ich dann genauso aus wie alle anderen mit ihren Apparaten am Ohr. Um mich von denen abzugrenzen, lasse ich gerne das Smartphone stecken und lese auch gerne mal eine gedruckte Zeitung. Welcher Mensch unter 20 liest denn noch im Zug eine gedruckte Zeitung? Und wenn man in einem Zug auffällt dann heutzutage eher, wenn man gerade kein Smartphone in der Hand hat. Ja, ich bin manchmal doch sehr altmodisch …

Trotzdem wird’s auch für mich spannend, wie das neue Jugendangebot der öffentlich-rechtlichen Sender im Netz wird. Während die digitalen Zusatzkanäle von ARD und ZDF schon gute Sendungen auch für Jugendliche bieten, ist die Qualität der Jugendwellen der ARD nicht überall gleich. Ein gutes Programm aus diesem Bereich ist zum Beispiel „Puls“ vom Bayerischen Rundfunk. Hoffen wir mal, daß die dann einiges beitragen. 😉

Werbung in ihrer nervigsten Form

Und das schönste ist ja am öffentlich-rechtlichen Internet: Es ist werbefrei. Auf immer mehr Seiten ploppt nach ein paar Sekunden Lesen ein Video auf bzw. irgendwo auf der Seite startet ein Video. Leider sogar mit Ton. Das was ich eigentlich im Hintergrund auf dem Tablet höre und auch hören will wird dann einfach abgeschaltet. Danke. Als würden diese blinkenden Grafiken nicht reichen.

Mehr Abwechslung!

Und gerne nochmal: Ich bin für mein Alter doch eher altmodisch und beim Medienkonsum auch nicht der Durchschnitt. Ich gucke sonntags keinen Krimi und schalte beim Fußball lieber die Radioreporter ein. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn alle die gleichen Interessen hätten, oder? 😉

Mehr als ich wissen wollte …

Seit gestern Abend wissen wir nun also auch, wann unsere Kontakte eine Nachricht beim Messenger „Whatsapp“ gelesen haben. Aber wissen wir auch was sie tun, wenn sie uns nicht schreiben? Bei manchen Hobbys will man es nicht wissen. Aber wenn doch, dann müssen wir nicht darauf warten, bis irgendwo ein Foto erscheint, auf dem sie bei der Tätigkeit zu sehen sind. Denn dank der „Geschlossenen Gruppen“ beim sozialen Netzwerk „Facebook“ wissen wir mehr als unsere Freunde uns vielleicht erzählen wollen. Ja, richtig gelesen, bei „geschlossenen“.

Viele haben sicher schon Empfehlungen für Gruppen bekommen, in denen sie gar nichts zu suchen haben. Nur, weil Freunde drin sind, heißt das nämlich noch lange nicht, daß diese Gruppen für einen selbst interessant sind! Logisch, denn wer will denn unbedingt bei der freiwilligen Feuerwehr des Freundes mitmachen, der 100 km weiter weg wohnt? Extra umziehen, um Gutes zu tun? Oder wie soll man zu einer Abschlussklasse 2009 in Köln gehören, wenn man z. B. selbst doch erst 2010 einen Abschluss gemacht hat – und den in Hamburg? Zeit zurückdrehen und dann dort hingehen geht wohl schlecht. Aber bei manchen Gruppen sagt der Name nicht unbedingt viel aus und bei anderen frage ich mich, warum man diese nicht als „geheim“ definiert, denn dann darf ich die nämlich gar nicht sehen. Aber wenn die nicht „geheim“ sind, dann sehe ich die logischerweise – und zwar alle. Und das in einer zusätzlichen Übersicht, in der die Gruppen der Freunde aufgelistet sind! In der aktuellen Version der App zu finden unter dem Menüpunkt „neue Gruppen finden“. Und so weiß ich, in welchem Sportverein der eine ist und welches Hobby die andere. Dasselbe gilt für politische Einstellungen.

schwarze Tastatur mit weißen Buchstaben

Hier mal eine kommentierte Liste einiger Beispiele – (und extra mit Punkten anstatt mit Zahlen, soll ja schließlich keine Rankingshow werden):

HINWEIS: Bei sämtlichen Beispielen sind nicht die originalen Gruppennamen verwendet worden sondern ähnliche. Falls diese geänderten Namen dennoch Namen einiger echter Gruppen sind (was bei einigen Namen gut sein kann …), dann ist das rein zufällig und keine Absicht.

  • „Wenn wir 10.000 sind, dann bewirbt sich Nina bei [TV-Show]“ – eine Petition als Gruppe?
  • „Fotos“ – Ahja …
  • „Gründonnerstag“ – Was sagt uns das?
  • „Häkeln wie in der Wüste“ – geht Häkeln in der Wüste anders als im Gebirge oder auf einem Schiff?
  • „Thommy geht in die Mongolei“ – Gute Reise! Und dafür eine für jeden sichtbare Gruppe?
  • „Saschas Bachelorarbeit“ – Kriegt der da Hilfestellungen?
  • „Diplomingeneur“ – Eine Gruppe, benannt nach einem Abschluss …
  • „Weihnachtsgeschenk für Natascha“ – Sehr toll sowas nicht geheim zu machen. Wenn Natascha mitbekommt, dass ihre Freunde zusammen ein Geschenk für sie planen … dann ist die Überrschung weg. Und eine Empfehlung für die Gruppe bekommt sie am PC vielleicht auch …
  • „Grundschul-Abschlußklasse 1993 Berlin“ – für alle irrelevant, die es nicht betrifft – also 99,99 % aller User.
  • „Tenniskurs von Markus“ – gibt’s wahrscheinlich einige
  • „So ein Blödsinn!“ – denke ich auch bei so manchen Gruppennamen …
  • „Musik der 68er“ – Ja, was ist damit?
  • „[Automarke]-Fans NRW!“ – Machen die ein Fantreffen vor dem Werkstor?
  • „komm zurück!“ – liest derjenige bzw. diejenige das?

Aber wozu diese Empfehlungen? Ich denke mal, in die wichtigsten Gruppen laden einen die Freunde doch gerne ein. Aber die Gruppen der Vereine aus den ganzen Nachbarsorten? Nein, danke. So viel Geld für Mitgliedsbeiträge habe ich gar nicht um denen alle beizutreten. 😉

Die einfachste journalistische Leistung der Welt

Ab Ende März gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit also zeigt die Uhr eine Stunde später und die Menschen müssen früher aufstehen, ab Ende Oktober die Mitteleuropäische Zeit und die Uhr zeigt eine Stunde früher, also bleibt man länger liegen. Soweit die Fakten. Das Zurückstellen war heute wieder – und es gibt Redaktionen aller Fernsehsendungen und aller Zeitungen die Chance, ohne große Recherche Sendezeit bzw. Papier zu füllen. Meist passiert das mit einem Einleitungssatz, dann wird beschrieben, in welche Richtung gedreht wird und vielleicht noch seit wann gedreht wird und ergänzt um einen Satz der beschreibt, dass die Umstellung umstritten ist. Jedes Jahr aufs Neue. Die Meldung lässt sich danach also prima beiseite legen und einige Monate später leicht abgeändert (die Drehrichtung) erneut vorzulesen oder abzudrucken.

Alles ganz einfach möge man meinen – und dennoch passieren Ungenauigkeiten. Die „Tagesschau“ vom 25. Oktober 2014 spricht zum Beispiel von „Winterzeit“ (bei 13:26 min. im Video, siehe http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-5091.html, Meldung ab 13:17 min.). Korrekter wäre „Mitteleuropäische Zeit“ oder „Normalzeit“. Denn „Winterzeit“ ist nur der umgangssprachliche Begriff.

Und da die Umstellung wohl nie ein Ende hat, gibt’s eine ähnliche Meldung wieder im März – aber da kann nichts schliefgehen: Sommerzeit heißt Sommerzeit. Zumindest in Deutschland. Auf Englisch heißt das Zeug nämlich „Daylight Saving Time“. Und wer will es hier schon „Tageslichtspeicherzeit“ nennen?

 

Ergänzung 27.10.2014 0:44 Uhr: Falls sich frühe Leser und Leserinnen fragen: Warum hat er den Beitrag rückdatiert? Ganz einfach: Veröffentlicht hab ich ihn bereits am Sonntag, als Datum wurde aber noch die Sommerzeit verwendet und danach war schon Montag und so wurde als Veröffentlichungsdatum der Montag eingetragen. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Daten in UTC (also in Weltzeit) gespeichert und dann umgerechnet werden, das war aber nicht der Fall. Und so schaue ich mich mal nach der Einstellung oder einem Plugin um, das mir automatisch die Uhr im Blog umstellt … Da stellt man endlos viele Uhren um aber im Blog vergisst man es dann, weil man denkt es gehe automatisch …

Plädoyer für mehr Ehrlichkeit in den Medien

Kommt es mir nur so vor, oder vergessen in der letzten Zeit die Moderatoren öfter mal dazuzusagen, dass ein bestimmtes Interview vor der Sendung aufgezeichnet wurde? Wo bitte liegt denn das Problem, das nicht zu tun? Im Fernsehen einfach nur nicht „live“ einblenden reicht mir persönlich nicht aus! Besonders genügt es mir dann nicht, wenn ich in den gleichen Sendungen früher öfter mal einen Spruch gehört habe, der auf eine solche Aufzeichnung hindeutet.

Besonders im Radio scheint es ja auch gängige Praxis zu sein, dass ein Reporter einfach mehrere Antworten vorbereitet und der Moderator nur noch die entsprechenden Antworten einspielen muss. So klingt das zwar wie ein Gespräch zwischen Moderator und Reporter, ist aber oft keins. Besonders interessant, wenn dann die falsche Antwort ertönt – wie erst kürzlich in einem Radioprogramm passiert.

Und ja, ich habe hier extra keine Beispiele genannt, weil ich keine Sendeanstalt anprangern will, sondern einfach nur appellieren es besser zu machen.

Jemand, der vorbildlich Interviews führt, ist zum Beispiel Jörg Wagner in seinem Medienmagazin auf radioeins. In seiner Sendung vom 21. Juni dieses Jahres erklärte er ganz genau, wie und warum genau auf diese Art und Weise ein Interview zum Leistungsschutzrecht entstanden ist. Genau so stelle ich mir das vor! 🙂