{"id":222,"date":"2016-06-19T22:05:45","date_gmt":"2016-06-19T20:05:45","guid":{"rendered":"http:\/\/dabars.de\/blog\/?p=222"},"modified":"2016-06-19T22:07:36","modified_gmt":"2016-06-19T20:07:36","slug":"kassettenzeitreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dabars.de\/blog\/kassettenzeitreise\/","title":{"rendered":"Kassettenzeitreise"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"line-height: 1.75;\">Audiokassetten k\u00f6nnen echte Zeitzeugen sein. Zumindest, wenn sie ein St\u00fcck Geschichte abbilden. H\u00f6rspiele, die ein bestimmtes Bild der Gesellschaft abbilden, Musikkassetten, die eine bestimmte Epoche der Popgeschichte dokumentieren oder auch H\u00f6rfunkmitschnitte, in denen nicht nur die Musik stattfindet. Und weil ich vor zehn Jahren oft das laufende Radioprogramm mitschnitt, haben wir heute die Chance, eine kleine Zeitreise zu unternehmen. Zwar in die Neuzeit des H\u00f6rfunks, aber immerhin ein Jahrzehnt zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p>Also dann, ab ins Jahr 2006. Genauer kann ich die Kassette leider nicht zuordnen, die in einer Schublade direkt neben dem Bett schon leicht verstaubte. Unsere Zeitmaschine: Ein altes, rundliches Radio, mit CD-Player, Kassettenschacht und FM-\/AM-Empfang. Leider aber mit abgebrochener Antenne, von der nur noch ein kleiner Teil \u00fcbrig ist. Ich muss mal J\u00f6rg Wagner vom \u201eradioeins-Medienmagazin\u201c fragen, ob ich diesen Antennenstumpf noch erden kann. Aber das hat Zeit, denn wir wollen ja in die Vergangenheit, daf\u00fcr braucht\u00b4s keine Antenne. Schon beim Einlegen der Kassette ins Fach geht\u00b4s gef\u00fchlt ein paar Jahre zur\u00fcck. Wie lange habe ich das nicht mehr gemacht? Mit einem Ger\u00e4usch \u00e4hnlich einer Sprungfeder schlie\u00dft das Fach. Beim Abspielen stelle ich dann fest, dass das Radio technisch nicht mehr ganz in Ordnung ist, denn auf einer Seite des Kopfh\u00f6rers h\u00f6re ich alles um einiges lauter. L\u00f6sung, zumindest an diesem Ger\u00e4t: Stecker halb raus, nun h\u00f6re ich auf beiden Seiten alles gleich laut.<br \/>\nZun\u00e4chst verr\u00e4t mir die Kassette anhand der Jingles, welchen Sender ich da aufgenommen hatte: \u201eRPR1\u201c. An einer Stelle mit Eigenwerbung h\u00f6re ich mehrfach das Wort \u201eSuper-Hits\u201c. Was hei\u00dft das eigentlich w\u00f6rtlich auf Deutsch? \u00dcber-Schl\u00e4ge. Und die gab\u00b4s damals \u2013 so die Werbung im Programm \u2013 \u201eim Megamix\u201c, also in gro\u00dfer Mischung. Ob ich gleich \u00dcberschl\u00e4ge und Freudenspr\u00fcnge mache? Naja, jedenfalls \u00fcberschlagen sich die kleinen R\u00e4dchen in der Audiokassette st\u00e4ndig. Immerhin! Wir sind \u00fcbrigens in einer Sendung gelandet, in der man Menschen gr\u00fc\u00dfen kann, die einem am Herzen liegen; in der man Liebesbriefe schreiben kann. Die Sendung l\u00e4sst also zumindest Herzen h\u00f6her schlagen. Wie bitte, Mittwochabend haben wir? So sp\u00e4t? Naja, scheint mir in der sechsten Schulklasse nicht geschadet zu haben so sp\u00e4t wach zu bleiben.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist da eine Menge Musik auf dem Band. Auch Songs, an die ich mich nicht mehr so richtig erinnern kann. Beispielsweise: \u201ePieces of a dream\u201c von Anastacia. Mich erinnert er an einen ESC-Titel der letzten f\u00fcnf Jahre. Wei\u00df aber gerade nicht welchen. Mit vier Minuten ist dieser Song in dieser Fassung sowieso zu lang f\u00fcr den Wettbewerb. Sp\u00e4ter folgen Lieder, die heute noch \u2013 wie ich finde zu oft \u2013 gespielt werden. Endlich mal ein guter Grund weiterzuspulen. Ist gleich drei Uhr, jedenfalls im Jahr 2016. Damals ging es in Richtung 23 Uhr. Ja, Vorspulen entschleunigt. Bei \u201eSWR3\u201c war fr\u00fcher f\u00fcrs Entschleunigen die \u201eKai-Karsten-Show\u201c zwischen 14 und 16 Uhr zust\u00e4ndig, aber heute Nacht hilft f\u00fcr zumindest einige Sekunden eine beliebige Audiokassette. Wer mehrere Minuten nach vorne will, muss mehrere Sekunden warten. Kein Mausklick an die gew\u00fcnschte Stelle, man muss suchen! Eine Chance, sich in Geduld zu \u00fcben.<br \/>\nZeit f\u00fcr die Nachrichten und die M\u00f6glichkeit, das Ziel unserer Zeitreise genauer zu definieren: Mittwoch, 4. Januar 2006. Denn \u201eRPR1\u201c berichtet von einem Schlaganfall des mittlerweile verstorbenen israelischen Politikers Scharon und vom Einsturz eines Hallendaches in Bad Reichenhall. Klack! Oh, schon vorbei? Nein, gibt ja noch Seite B! Also gleich nochmal entspannen, Kassette umdrehen, einsetzen. Aber wir m\u00fcssen einen Zeitsprung gemacht haben, die Nachrichten laufen schon lange nicht mehr. Beim aktuellen Song ergreife ich die Chance ein paar Toneffekte auszuprobieren. Play langsam herunterdr\u00fccken, Play und dann Pause halb herunterdr\u00fccken, und so weiter. Hat mir als Kind immer Spa\u00df gemacht und auch oft Bandsalat verursacht, aber heute geht alles gut. Fr\u00fcher hatte ich auch Freude daran ganze Kassetten mit Verkehrsfunk aufzuzeichnen. Warum auch immer, hab bis heute keinen F\u00fchrerschein. Aber Stra\u00dfen faszinierten mich schon damals.<br \/>\nStatt einer Moderatorin h\u00f6ren wir aktuell einen Moderator. Aber wir sind gleich wieder in der Sendung mit den Liebesbriefen, so die Ank\u00fcndigung. Es ist wohl genau einen Tag sp\u00e4ter. Oh, die Frequenz wechselt! Wir sind nun auf der Mittelwelle gelandet! Und wechseln so schnell das Programm, dass die einzelnen Wortfetzen zusammen \u00fcberhaupt keinen Sinn machen. Auch hier geht\u2019s kurz um Israel, aber schnell sind wir wieder auf UKW und bei \u201eRPR1\u201c. Dort d\u00fcrfen wir uns Geschichten aus Liebesbeziehungen anh\u00f6ren. Gibt\u00b4s solche Sendungen eigentlich heute noch? Und: Welche der Beziehungen vom 5. Januar 2006 bestehen bis heute? \u00dcber 3800 Tage sp\u00e4ter?<br \/>\nEs folgt ein Song von Juanes. Aber nicht das mit dem schwarzen Hemd, sondern \u201eVolverte a ver\u201c. Ja, eigentlich lerne ich gerade Spanisch. Hab aber nachts keine Ahnung was das hei\u00dfen k\u00f6nnte. Aah, dieses alte Radio! Jetzt ist alles so laut, dass mir fast die Ohren wegfliegen! Irgendwo an der Lautst\u00e4rke ist ein Wackelkontakt. Nun habe ich aber genug. Genug Zeit, die Ohren zu schonen und zumindest etwas Zeit zum Schlafen. In f\u00fcnf Stunden geht\u00b4s an der Uni weiter. Mit dem Spanischkurs. Gibt noch einiges an Spanischkenntnissen aufzuholen. Und zwar in 2016.<\/p>\n<p>Kurz vor Ver\u00f6ffentlichung dieses Textes war ich wieder neugierig eine der alten Kassetten zu h\u00f6ren. Und was finde ich? Eine Ausgabe der wunderbaren Reihe &#8222;SWR3 Lyrix&#8220; &#8211; zum Song &#8222;We cry&#8220; von &#8222;The Script&#8220;! Ich erinnere mich noch heute, wenn ich den Song h\u00f6re, an die \u00dcbersetzung und das Echo bei so manchem Wort. Was ich nicht mehr wusste: Ich hab das auf Kassette! Interessant, dass &#8222;SWR3&#8220; nicht w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt und so ein kleines, neues Kunstwerk entsteht! Und das beste: Es wurde noch nicht depubliziert. Also, viel Spa\u00df beim Lesen!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.swr3.de\/musik\/lyrix\/Script-The-Together-We-Cry\/-\/id=47416\/did=416228\/1pd8ez9\/index.html\">http:\/\/www.swr3.de\/musik\/lyrix\/Script-The-Together-We-Cry\/-\/id=47416\/did=416228\/1pd8ez9\/index.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Audiokassetten k\u00f6nnen echte Zeitzeugen sein. Zumindest, wenn sie ein St\u00fcck Geschichte abbilden. 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