{"id":215,"date":"2016-06-19T02:48:46","date_gmt":"2016-06-19T00:48:46","guid":{"rendered":"http:\/\/dabars.de\/blog\/?p=215"},"modified":"2016-06-19T02:52:12","modified_gmt":"2016-06-19T00:52:12","slug":"die-afd-ihre-waehler-und-die-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dabars.de\/blog\/die-afd-ihre-waehler-und-die-medien\/","title":{"rendered":"Die AfD, ihre W\u00e4hler und die Medien"},"content":{"rendered":"<div class=\"quoted-text\">Unter dem Titel &#8222;Volkes Stimme oder Brandstifter?! Die AfD und ihre W\u00e4hler&#8220; hatte der Fachbereich Politikwissenschaft 1 (Schwerpunkt Innenpolitik) der TU Kaiserslautern zu einer Podiumsdiskussion geladen. Rund 200 Menschen fanden sich in der Rotunde der Universit\u00e4t ein. Prof. Dr. Marcus H\u00f6reth, der den Fachbereich Politikwissenschaft 1 leitet, begann kurz nach 18 Uhr mit einleitenden Worten zum Thema. Eine Partei sei \u201erechtspopulistisch\u201c, so der Politologe, wenn drei Merkmale erf\u00fcllt seien: Eine solche Partei sei Gegenentwurf zum Establishment, national und unterst\u00fctze eine \u201elaw-and-order\u201c-Politik.<br \/>\nVertiefende wissenschaftliche Erkl\u00e4rungen folgten daraufhin von Dr. Marcel Lewandowsky von der Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t in Hamburg. Er erkl\u00e4rte dem Plenum, dass die politische Orientierung der Kandidaten der AfD weit gef\u00e4chert seien, also es auch Bewerber gebe, die nicht rechtspopulistisch seien. Des Weiteren sei im AfD-Programm eine Verlagerung des Schwerpunktes zu erkennen: So sei anfangs die eurokritische Haltung der wichtigste Programmpunkt gewesen und die Asylpolitik noch weniger wichtig. Dies habe sich in den letzten Jahren ge\u00e4ndert. Lewandowsky sieht au\u00dferdem das Grundsatzprogramm der AfD vom Stuttgarter Parteitag \u201eals innerparteilichen Kompromiss\u201c.<br \/>\nZur Diskussion hatte nach den Vortr\u00e4gen Dr. L\u00e9a Roger geladen; sie ist Politikwissenschaftlerin an der TU Kaiserslautern. Weitere Teilnehmer der Diskussionsrunde waren neben Lewandowsky auch Prof. Dr. Thomas Leif, Politikwissenschaftler und Journalist und Beatrix Klingel, fr\u00fchere AfD-Politikerin aus Rheinland-Pfalz. Zu Beginn meinte Thomas Leif, als Antwort auf Lewandowskys Vortrag, dass es in der AfD schon l\u00e4nger Rechtspopulismus gegeben habe und es keinen Pluralismus gebe. Lewandowsky gab Leif Recht, denn rechtspopulistische Stimmen seien von Anfang an in der Partei gewesen, aber nicht deutlich geworden. Leif meinte, die AfD sei au\u00dferdem eine \u201epopulistische Bewegung\u201c und keine \u201ePartei\u201c. Lewandowsky widersprach Leif sp\u00e4ter, weil er der Meinung sei, dass die AfD eine Partei sei. Leifs Aussagen \u00fcber den Parteitag der AfD konterte er indem er sagte, dass Parteitage anderer Parteien \u201edurchinszenierter\u201c seien. Auch Diskussionen f\u00e4nden bei etablierten Parteien auf unteren Ebenen statt. Es folgte ein kleiner Streit zwischen Leif und Lewandowsky, der das Publikum h\u00f6rbar unterhielt.<br \/>\nF\u00fcr Beatrix Klingel war der Eintritt in die AfD am Anfang eine gute Idee. Zu ihren Gr\u00fcnden z\u00e4hlte, dass die W\u00e4hrungsunion \u201enicht gut konstruiert\u201c gewesen sei und junge Leute in S\u00fcddeutschland somit schlechte Jobchancen h\u00e4tten. Als stellvertretende Landesvorsitzende der Partei k\u00fcmmerte sie sich auch um neue Mitgliedsantr\u00e4ge und erkl\u00e4rte w\u00e4hrend der Diskussion, dass sie versucht habe, stark rechte Personen aus der AfD fernzuhalten. Nach dem Streit zwischen Leif und Lewandowsky dar\u00fcber, ob die AfD eine Partei sei, stellte sie sich auf die Seite von Thomas Leif und sagte, die AfD sei \u201ef\u00fcr mich keine Partei\u201c.<br \/>\nEin Thema des Abends war auch die Betrachtung der AfD in den Medien. So meinte Thomas Leif u.a., man m\u00fcsse zur AfD einen \u201eFaktencheck machen&#8220;.<\/div>\n<div class=\"quoted-text\"><\/div>\n<div>Fragen an Herrn Leif:<\/div>\n<div><strong>Dabars:<\/strong> Sie sagten in der Diskussion, dass die AfD eine gute Ausgangslage gehabt habe. Wie sehr sind daf\u00fcr die Medien verantwortlich?<\/div>\n<div class=\"quoted-text\">\n<div><strong>Leif:<\/strong> Die Welt ist in Unordnung, wir leben in einer Zeit vielf\u00e4ltiger, sich wechselseitig verst\u00e4rkender Krisen: ungekl\u00e4rte Finanzmarktkrise, drohender Brexit, weltweite Fl\u00fcchtlingswanderungen, eine handlungsunf\u00e4hige Europ\u00e4ische Union uvm. Die Krisen wabern vor sich hin, die Kernprobleme werden nicht ansatzweise gel\u00f6st, sondern immer wieder eingehgt und verdr\u00e4ngt. Daraus sch\u00f6pft die AfD u.a. den Stoff f\u00fcr ihre Emp\u00f6rung und ihre Eskalationsdynamik. Wenn Medien mehr auf Emp\u00f6rung und Stimmungsmache setzen, statt auf eine differenzierende, kl\u00e4rende, konstruktive Analyse, beteiligen sie sich indirekt an dieser Eskalation.<\/div>\n<\/div>\n<div><strong>Dabars:<\/strong> Wird \u00fcber die AfD derzeit zu viel berichtet, im Vergleich zur Berichterstattung \u00fcber andere Parteien?<\/div>\n<div class=\"quoted-text\"><strong>Leif:<\/strong> Es geht nicht um die Menge, sondern um die Qualit\u00e4t. Die AfD ist derzeit Treiber der politischen Debatte, weil ihre Arbeitsmuster die bislang gelernten Konventionen gezielt \u00fcberschreiten. Sie produzieren Angst und Verunsicherung. Zudem bildet sich eine rechtspopulistische Kraft, die den gesamten Politikprozess auf den Kopf stellt, klassische Mehrheiten in Frage stellt. M.E. wird die AfD oftmals zu vordergr\u00fcndig bearbeitet. Ihr taktisches Spiel mit der \u00d6ffentlichkeit durch gezielte Grenz\u00fcberschreitungen m\u00fcsste regelm\u00e4\u00dfig entziffert werden.<\/div>\n<div><strong>Dabars:<\/strong> Sie meinten, man solle zu AfD-Aussagen einen &#8222;Faktencheck machen&#8220;. Wie k\u00f6nnte das in einer Talkshow gelingen?<\/div>\n<div class=\"quoted-text\"><strong>Leif:<\/strong> Talkshows sind Paradies-Plattformen f\u00fcr die AfD. Die Sprunghaftigkeit der einzelnen Sequenzen nutzt ihr. Nichts wird gekl\u00e4rt, das meiste nur kurz angedeutet. Die Taktik der AfD: Relativierung von Aussagen, Ablenkung, leichtes Dementi etc. l\u00e4uft immer nach dem gleichen Muster. Am Ende bet\u00e4tigen sie sich als Ressentimentschleuder und mit ihrer Pr\u00e4senz bleibt die Eindruckserweckung, die jede Differenzierung und Folgeanalyse ihrer Tabubr\u00fcche \u00fcberdeckt.<\/div>\n<div><strong>Dabars:<\/strong> Wie gut gelingt den Medien bisher die sachliche Auseinandersetzung mit den Standpunkten der AfD?<\/div>\n<div class=\"quoted-text\"><strong>Leif:<\/strong> Nicht gut, weil viele Medienmacher die Inszenierungslogik der AfD nicht verstanden haben. Die einzige wirksame Methode w\u00e4re ein gr\u00fcndlicher Faktencheck mit viel Zeit.<br \/>\nEin Thema, gr\u00fcndliche Abw\u00e4gung der Haltungen zum Thema, Konfrontation mit den Fakten und Hintergr\u00fcnden, \u00a0Interpretation der Methode AfD. Das w\u00e4re <em>ein<\/em>\u00a0Ansatz.<br \/>\nDas entscheidende: man muss mit den b\u00fcrgerlich-konservativen W\u00e4hler_innen der AfD \u00f6ffentlich debattieren, welche konkreten Auswirkungen die AfD-Politik am Ende f\u00fcr ihr Leben h\u00e4tte.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8222;Volkes Stimme oder Brandstifter?! Die AfD und ihre W\u00e4hler&#8220; hatte der Fachbereich Politikwissenschaft 1 (Schwerpunkt Innenpolitik) der TU Kaiserslautern zu einer Podiumsdiskussion geladen. Rund 200 Menschen fanden sich in der Rotunde der Universit\u00e4t ein. 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