Interviewserie – Teil 1: Andreas Fauth

Rückdatiert auf Aufnahmetag zur besseren Übersichtlichkeit im Blog

Im ersten Teil der Interviewreihe sprach ich mit Andreas Fauth, Chefredakteur für Multimedia im evangelischen Medienhaus in Frankfurt.

 

Hier nun das Interview auch als Textfassung:
Robin Dabars: Interviewreihe, erster Teil. Heute sind wir zu Gast bei Andreas Fauth, der sich am Besten selbst vorstellt.
Andreas Fauth: Herzlich willkommen in der Hörfunkschule Frankfurt. Wer uns besucht, wird schnell sehen: Die Hörfunkschule ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit. In erster Linie sind wir eine Multimediaredaktion: Wir produzieren Beiträge für Radio, Fernsehen, Internet für private Sender in Hessen und Rheinland-Pfalz. Ich bin Chefredakteur der Multimediaredaktion und leite zugleich die Hörfunkschule.
Dabars: Was fasziniert Dich am Radio?
Fauth: Dass es so schnell und so spontan ist. Es heißt immer: „Online first“ und das Internet liefere schnelle Informationen und man könne heutzutage über ‚Facebook‘ und ‚Twitter‘ sofort sehen, was passiert ist. Nein, ich glaube, das stimmt so nicht immer. Denn in dem Moment, wenn jemand bei einer Livesendung ins Mikrofon spricht, dann bekommen die Hörer die absolut schnellste und authentischste Information. Da ist kein anderes Medium schneller. Und das ist am Radio so faszinierend.
Dabars: Wie einfach oder wie schwer ist denn der Einstieg in den Journalismus?
Fauth: (lacht) Das ist eine gute Frage! Ich glaube, dass das sehr unterschiedlich ist. Die Frage sollte eher lauten: Wie kann der Einstieg in den Journalismus gelingen? Und wenn, dann kann er auch relativ schnell gehen, denn zunächst einmal gilt: Jeder kann Journalist sein. Du bist in dem Moment Journalist, wenn Du Deinen Blog aufmachst oder an der Schule oder an der Uni eine Zeitung veröffentlichst. Damit ist der Einstieg in den Journalismus geglückt. Die Frage ist nur: Wie kann man damit auch Geld verdienen? Dafür braucht man natürlich eine gute Ausbildung auf dem Weg zum Volontariat und später im Volontariat selbst. Ich bringe es immer auf die Formel: Wer wirklich Bock hat und für den Journalismus brennt; wer also nicht sagt: „Hey, um 17 Uhr ist Feierabend“, sondern wer wirklich Lust auf Journalismus hat, wird einen Einstieg relativ schnell und gut schaffen. Ich glaube, dass es eine Mär ist, dass man im Journalismus keinen Job findet. Oftmals ist es eher eine Frage, ob man sich genug engagiert hat.
Dabars: Und um die Leute dann auch in den Journalismus zu bringen, dafür gibt´s das Ausbildungsradio. Seit wann gibt´s das Ausbildungsradio und wer hatte die Idee dazu?
Fauth: Die Idee kommt von uns hier aus dem Haus. Das „Ausbildungsradio“ in dieser Form und unter diesem Namen gibt´s jetzt fast zehn Jahren, Vorläufer davon schon etwas länger. Wer sich schon einmal um ein Praktikum beworben hat, wird die Frage kennen: „Was haben Sie denn schon gemacht? Welche Erfahrungen bringen Sie mit?“ Und einige können dann antworten, dass sie schon mal bei der Schülerzeitung waren oder einen eigenen Blog betreiben. Das Ausbildungsradio jedoch ist eine Möglichkeit, erste Erfahrungen unter realistischen Bedingungen zu sammeln: Menschen zu interviewen, vielleicht zu moderieren, Nachrichten zu präsentieren, Beiträge und Reportagen zu produzieren. Und dann kann man sagen: Ich hab´ schon was gemacht! Und so kann man sich dann viel besser bewerben.
Dabars: Wie viel Planung war für das diesjährige Ausbildungsradio nötig und wann ging´s eigentlich los?
Fauth: Gestartet sind wir vor heute genau zwei Wochen, am 17. Juli. Und vorher gab´s zwei Tage Testbetrieb im Internet. Die Vorbereitungen für so ein Ausbildungsradio fangen immer ungefähr ein Jahr vorher an. Wir werden bereits am 18. September mit den Vorbereitungen für 2016 beginnen. In diesem Jahr war es für uns ein bisschen aufwendiger als sonst, weil wir unter einem neuen Namen funken: Früher hieß unser Sender „rockfun24“, ab diesem Jahr heißt er „LUX“. Wir mussten daher ein neues Logo entwerfen, eine neue Website gestalten. Für unser Programm brauchten wir eine neue „Verpackung“, also Jingles und Musikbetten. Da hat sich einiges geändert. Und deswegen hat es ein bisschen mehr Arbeit gemacht als sonst.
Dabars: Warum eigentlich der Name „LUX“? Es hat ja, denke ich, nicht mit Luxemburg zu tun?!
Fauth: (lacht) Nein, wirklich überhaupt nicht. Aber „LUX“ leuchtet ja ein. „LUX“ kommt vom lateinischen Wort „Licht“ und soll die Hörer ein wenig erleuchten. Damit wollen wir uns unterscheiden vom Mainstreamradio. Ich will jetzt keine privaten oder öffentlich-rechtlichen Sender bashen, aber: Die haben meist ein anderes Zielpublikum. Wir wollen uns an Hörer richten, die ein bisschen dazulernen möchten, sich ein bisschen aufschlauen wollen, trotzdem aber gut unterhalten sein wollen. „Unterhalten“ auf einem Niveau, bei dem die Hörer Lust haben, einen höheren Wortanteil zu ertragen – und über den Tellerrand schauen wollen: sich für Kultur interessieren und nicht nur für den Mainstream. Deswegen „LUX“.
Dabars: Wie viele Leute arbeiten eigentlich dieses Jahr mit? Wie viele lernen jetzt Journalismus?
Fauth: Wir sind in diesem Jahr knapp 50 Leute, die in verschiedenen Redaktionen arbeiten: von der Morningshow- bis zur Kulturredaktion oder der aktuellen Redaktion, aber auch unsere „LUX-TV“-Redaktion ist am Start. Die TV-Redaktion ist übrigens die größte. Dort entstehen viele Filme.
Dabars: Was sind eigentlich die Themen und Ziele der Ausbildung? Wohin sollen die Absolventen am Schluss kommen?
Fauth: Das muss jeder sich selbst überlegen! Wir versuchen daher, das Ausbildungsradio möglichst individuell zu gestalten. Die Leute kommen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen zu uns. Manche haben vielleicht noch nie Radio oder irgendwas mit Medien gemacht. Andere sind schon seit vier, fünf Jahren bei einem Sender als freie Mitarbeiter unterwegs. Jeder hat unterschiedliche Voraussetzungen, die er mitbringt und damit natürlich auch unterschiedliche Ziele, die er mit dem Ausbildungsradio erreichen will. Es kann sein, dass jemandem wichtig ist, möglichst schnell bei einem großen Sender auf die Antenne zu kommen. Von ihm sollen die Kollegen in den Funkhäusern sagen: Der spricht so gut, den können wir „on air“ nehmen. So jemand möchte möglichst viel Sprechroutine sammeln. Ein anderer möchte sich unbedingt im Bereich Nachrichten vertiefen, weil er das in einem Praktikum nicht ausprobieren kann. Du siehst, das ist sehr unterschiedlich und deswegen gucken wir mit jedem, wo er hin möchte und was für ihn jetzt dran ist. Wir versuchen dann diese zwei Wochen und auch die Vorbereitung davor so zu gestalten, dass das möglichst optimal klappt.
Dabars: Wie erfolgreich sind eigentlich die bisherigen Absolventen des Ausbildungsradios?
Fauth: Ja, man kann es nicht immer nur an diesem einen Projekt festmachen, weil wir natürlich verschiedene Ausbildungsprojekte haben, die ineinandergreifen: „Ausbildungsradio“, „Medienstarter“, „Radiostarter“. Wer ein solches Projekt bei uns gemacht hat, landet in sehr vielen Fällen bei privaten oder öffentlich-rechtlichen Sendern. Hier in Hessen sind sehr viele unserer Teilnehmer aus den vergangenen zehn Jahren bei großen Sendern untergekommen. Wir werden auch immer nachgefragt, ob´s wieder den einen oder anderen Tipp gibt, welchen jungen Kollegen eine Redaktion testen könnte, ob er sich für ihr Programm eignet. Unsere ehemaligen Teilnehmer sind aber zwischenzeitlich weit über Hessen hinaus verstreut. Wir haben Kollegen in Berlin, in Rheinland-Pfalz beim SWR, aber auch beim NDR oder WDR. Das geht quer durch Deutschland.
Dabars: Du hattest vorhin ja schon erwähnt, dass ja das Programm eher nicht den Mainstream bedient. Was konkret sind die Themen im Programm?
Fauth: Wir versuchen zu informieren, zu unterhalten, zu bilden und auch Service zu liefern. So vielfältig ist das, was wir im Programm machen. Wir berichten anlässlich einer Veranstaltung hier in Frankfurt, das ist in diesem Jahr zweiwöchige „Sommerwerft“; ein Theater-, Kultur- und Musikfestival. Das ist unser wichtigstes Thema. Aber wir schauen trotzdem auf das, was in der Welt passiert, was in Deutschland passiert. So haben sich die jungen Kollegen sehr viel mit „Griechenland“ und der „Hilfe für Flüchtlinge“ beschäftigt. Dazu hatten wir zum Beispiel Wolfgang Bosbach oder Thorsten Schäfer-Gümbel im Interview.
Dabars: Es kommt ja eigentlich auch vergleichsweise viel Musik, „LUX“ ist kein reines Wortprogramm. Wie ist eigentlich die Musikauswahl?
Fauth: Die Musikauswahl ist so, dass wir beinahe sagen: Wir spielen alles, was andere Sender nicht spielen. Das ist eine ganz wesentliche Faustregel. Sobald ein Song beim großen Radio kommt, dann spielen wir den nicht mehr, bei unseren Hörern ist der Song zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon totgehört. So kann es sein, dass wir trotzdem die „Ärzte“ spielen, aber mit Songs, die weniger bekannt sind. Wir gucken, dass wir eine Mischung haben aus Rock und Rap, den beiden großen R‘s im Programm. Da kann dann auch „KIZ“ mit dem neuen Album vorkommen.
Dabars: Kurz vorm Interview lief „Killer Queen“ von „Queen“ – das hätte man dann eigentlich auch rausschmeißen müssen!
Fauth: Unser Claim ist „Unsere Musik ist Luxus“. Das heißt: Wir wollen nur gute Musik spielen und „Killer Queen“ ist einer von den Songs, die wir dann im Programm haben, bei denen wir sagen: Der hat so eine gute musikalische Qualität und läuft im Radio eigentlich viel zu selten, den nehmen wir mit.
Dabars: Wie groß ist eigentlich die Musikdatenbank?
Fauth: Wir haben ungefähr 1000 Songs.
Dabars: Wie multimedial ist „LUX“?
Fauth: „LUX“ ist kein reines Radioprojekt, auch wenn der Name „Ausbildungsradio“ das vielleicht suggerieren mag, weil er schon etwas älter ist. Wenn wir morgens in der Redaktionskonferenz sitzen und uns überlegen, welche Themen wir machen, dann entscheiden wir: Ist das ein Thema fürs Radio oder für „LUX-TV“? Deswegen sind auf unserer Website nicht nur das Radioprogramm, sondern „LUX-Radio“, „LUX-TV“, „LUX-Web“ sowie verschiedene Social-Media-Kanäle zu finden. Insofern sind wir sehr multimedial. Und es gibt einen regen Austausch unter den Redaktionen: Wenn die Kollegen von „LUX-TV“ einen Film gemacht und Menschen interviewt haben, dann kommen die danach ins Studio und berichten, was sie vor Ort erlebt haben, zum Beispiel in Form eines Talks. Es kann aber auch genauso gut sein, dass die Kollegen vom Radio mal bei „LUX-TV“ mitlaufen und den Reporter im Bild machen. Das ist alles möglich.
Dabars: Wie lange ist „LUX“ dieses Jahr noch zu hören und wann geht´s nächstes Jahr weiter? Wird dann auch der Name „LUX“ weiterhin bestehen?
Fauth: Wir senden noch bis Sonntag, dann ist die „Sommerwerft“ zu Ende, damit auch das Ausbildungsradio und unser Programm. Im nächsten Jahr planen wir wieder ein Ausbildungsradio im Sommer. Wir müssen aber erst einmal schauen, wann genau und zu welcher Veranstaltung wir auf die Antenne gehen. Idealerweise machen wir das immer in den Sommerferien bzw. Sommersemesterferien. Das ist wichtig für die vielen Studierenden, die teilnehmen. Und ja, der Name „LUX“ wird bestehen bleiben.
Dabars: Wir zeichnen das Interview am Freitag, den 31. Juli, auf. Wenn am Sonntag, also in zwei Tagen, Schluss sein wird, dann wird es vielleicht jetzt schon mal Zeit für ein kleines Fazit. Gab es Schwierigkeiten?
Fauth: Nein, gar nicht. Wir sind sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Ich finde, dass wir vom Höreindruck ein gutes Programm gemacht haben. Auf unserer Website stehen einige sehr schöne, lustige und auch unterhaltsame Filme. Wir haben ein gutes Team gehabt. Die Leute, die mitgemacht haben, waren sehr engagiert dabei. Die haben nicht unbedingt auf die Uhr geguckt, sondern haben sich um die Themen und die Inhalte gekümmert und auch lieber mal eine Stunde länger gemacht. Deswegen ein großes Lob an alle, die sich beim Ausbildungsradio eingebracht haben! Wir sind sehr zufrieden.
Dabars: Vieles lässt sich also im Internet noch mal nachschauen. Wie ist die Adresse?
Fauth: Main-lux.de. Weil wir in Frankfurt sind, schreiben wir „Main“ mit „ai“. Aber für den, der das nicht richtig raushört im Radio, der kann´s auch mit „ei“ eingeben.
Dabars: Dankeschön für´s Gespräch!
Fauth: Gerne!