Über paradiesische Papiere und Fehler im Journalismus

Schnelllebige Zeiten in den Medien: Gestern noch “Babylon Berlin”, heute schon die “Paradise Papers”. Immer wieder wird sprichwörtlich eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Wer gestern meine Tweets gelesen hat, wird sich doch sehr gewundert haben wie kritisch ich über die Veröffentlichungen der paradiesischen Papiere geschrieben habe. Und so manche fragt sich: Was soll das? “Über paradiesische Papiere und Fehler im Journalismus” weiterlesen

Dabarsblog 2014 – Die Kolumne zum Jahresende

Besonders in diesem Jahr ist wieder zu beobachten, daß Jahresrückblicke im Fernsehen viel zu früh laufen. Denn die drei großen Sender in Deutschland waren schon durch mit ihren Rückblicken und es passierte noch einiges, was man auch als “großes Ereignis” bezeichnen kann. Erstaunlicherweise sind die Jahresrückblicke von Kabarettisten meist nach den großen Rückschau-Sendungen und damit aktueller.

Und Schluß!

Was also bleibt von diesem Jahr in den Medien noch übrig? 2014 war das Jahr, in dem “Wetten dass” eingestellt wurde, in dem die “Tagesschau” in ein neues Studio umgezog, in dem einige Menschen das Vertrauen in die sogenannten “Leitmedien” verloren haben, in dem “2254” auf Deutschlandradio Kultur eingestellt wurde, in dem ich mir zwei temporäre Studios angucken durfte (eins auf der Funkausstellung in Berlin, das andere verrate ich nicht ;-)) und in dem ich eine Wochenzeitung abonniert habe. Ein bisschen darf man ja wohl den Tod der gedruckten Zeitung herauszögern – Oder ruft das Papier schon nach Sterbehilfe?

ein Stapel Printerzeugnisse von der Seite betrachtet
ein Stapel Printerzeugnisse

“Filterblase”? Ohne mich!

Warum ich Zeitung lese? Aus demselben Grund, aus dem ich auch Radio höre und Fernsehen schaue: Ich möchte nicht in einer “Filterblase” leben. Scheint ja Leute zu geben, die nur noch das lesen, was ihnen Internetseiten oder Freunde empfehlen.

Apropos: Bei Leuten, die in sozialen Netzwerken nur noch blöde Filmchen (meist nichtmal “Catcontent”!) oder Fotos mit der Lebensabschnittsgefährtin teilen, entferne ich sofort das Häkchen bei “Abonnement”. Das hat für mich keine brauchbare Information …

Zurück aber zur sogenannten “Filterblase”: Die entsteht teilweise auch, wenn Leute eine politische Meinung haben, aber bloß nix von Leuten hören oder lesen wollen, die eine andere Meinung haben. Dabei sollte man schon alleine deswegen die Argumente Gegenseite kennen, um sie widerlegen zu können. “Ich liege mit meiner Meinung richtig.” ist kein ein ausreichendes Argument, auch wenn das vielleicht manche glauben.

Das will ich aber nicht weiter ausbauen, sondern lieber friedlich bleiben. Es ist ja schließlich noch Weihnachten. Denn Weihnachten dauert ja – wie Reinhard Mey singt – 12 Tage. Und warum weiß ich das? Weil ich nicht in der Blase lebe, sondern meinen Horizont erweitere, wie zum Beispiel mit den Sendungen “Sonntagmorgen” und “Feiertagsmorgen” im Deutschlandradio Kultur. In letzterer gab’s am vergangenen Donnerstag das Lied von Reinhard Mey.

Alte Medien leben weiter

Wenn ich hingegen im ÖPNV sitze, dann könnte ich fast wetten, daß die Leute um mich herum nicht einen Radiosender mit so breiter Musikauswahl hören. Und außerdem bin ich wohl der einzige, der – wenn er denn im Zug oder im Bus überhaupt etwas elektronisches hört – Deutschlandfunk oder den Medienmagazin-Podcast von “radioeins” hört. Trotzdem sehe ich dann genauso aus wie alle anderen mit ihren Apparaten am Ohr. Um mich von denen abzugrenzen, lasse ich gerne das Smartphone stecken und lese auch gerne mal eine gedruckte Zeitung. Welcher Mensch unter 20 liest denn noch im Zug eine gedruckte Zeitung? Und wenn man in einem Zug auffällt dann heutzutage eher, wenn man gerade kein Smartphone in der Hand hat. Ja, ich bin manchmal doch sehr altmodisch …

Trotzdem wird’s auch für mich spannend, wie das neue Jugendangebot der öffentlich-rechtlichen Sender im Netz wird. Während die digitalen Zusatzkanäle von ARD und ZDF schon gute Sendungen auch für Jugendliche bieten, ist die Qualität der Jugendwellen der ARD nicht überall gleich. Ein gutes Programm aus diesem Bereich ist zum Beispiel “Puls” vom Bayerischen Rundfunk. Hoffen wir mal, daß die dann einiges beitragen. 😉

Werbung in ihrer nervigsten Form

Und das schönste ist ja am öffentlich-rechtlichen Internet: Es ist werbefrei. Auf immer mehr Seiten ploppt nach ein paar Sekunden Lesen ein Video auf bzw. irgendwo auf der Seite startet ein Video. Leider sogar mit Ton. Das was ich eigentlich im Hintergrund auf dem Tablet höre und auch hören will wird dann einfach abgeschaltet. Danke. Als würden diese blinkenden Grafiken nicht reichen.

Mehr Abwechslung!

Und gerne nochmal: Ich bin für mein Alter doch eher altmodisch und beim Medienkonsum auch nicht der Durchschnitt. Ich gucke sonntags keinen Krimi und schalte beim Fußball lieber die Radioreporter ein. Aber es wäre ja auch langweilig, wenn alle die gleichen Interessen hätten, oder? 😉

Die einfachste journalistische Leistung der Welt

Ab Ende März gilt die Mitteleuropäische Sommerzeit also zeigt die Uhr eine Stunde später und die Menschen müssen früher aufstehen, ab Ende Oktober die Mitteleuropäische Zeit und die Uhr zeigt eine Stunde früher, also bleibt man länger liegen. Soweit die Fakten. Das Zurückstellen war heute wieder – und es gibt Redaktionen aller Fernsehsendungen und aller Zeitungen die Chance, ohne große Recherche Sendezeit bzw. Papier zu füllen. Meist passiert das mit einem Einleitungssatz, dann wird beschrieben, in welche Richtung gedreht wird und vielleicht noch seit wann gedreht wird und ergänzt um einen Satz der beschreibt, dass die Umstellung umstritten ist. Jedes Jahr aufs Neue. Die Meldung lässt sich danach also prima beiseite legen und einige Monate später leicht abgeändert (die Drehrichtung) erneut vorzulesen oder abzudrucken.

Alles ganz einfach möge man meinen – und dennoch passieren Ungenauigkeiten. Die “Tagesschau” vom 25. Oktober 2014 spricht zum Beispiel von “Winterzeit” (bei 13:26 min. im Video, siehe http://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-5091.html, Meldung ab 13:17 min.). Korrekter wäre “Mitteleuropäische Zeit” oder “Normalzeit”. Denn “Winterzeit” ist nur der umgangssprachliche Begriff.

Und da die Umstellung wohl nie ein Ende hat, gibt’s eine ähnliche Meldung wieder im März – aber da kann nichts schliefgehen: Sommerzeit heißt Sommerzeit. Zumindest in Deutschland. Auf Englisch heißt das Zeug nämlich “Daylight Saving Time”. Und wer will es hier schon “Tageslichtspeicherzeit” nennen?

 

Ergänzung 27.10.2014 0:44 Uhr: Falls sich frühe Leser und Leserinnen fragen: Warum hat er den Beitrag rückdatiert? Ganz einfach: Veröffentlicht hab ich ihn bereits am Sonntag, als Datum wurde aber noch die Sommerzeit verwendet und danach war schon Montag und so wurde als Veröffentlichungsdatum der Montag eingetragen. Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Daten in UTC (also in Weltzeit) gespeichert und dann umgerechnet werden, das war aber nicht der Fall. Und so schaue ich mich mal nach der Einstellung oder einem Plugin um, das mir automatisch die Uhr im Blog umstellt … Da stellt man endlos viele Uhren um aber im Blog vergisst man es dann, weil man denkt es gehe automatisch …